Am 12.12. und 20.12.1997 wurde die Fundstelle mittels eines Magnetometers
(Fluxgate-Gradiometer FM 36), einer Stahlsonde und einem Hohlbohrer (Pürkhauer)
untersucht. Die Sondage mit der Stahlstange ergab eine ost-west-orientierte
Steinkonzentration von ca. 11 m x 2 m in einer Tiefe von überwiegend
35 cm unter der Oberfläche. Nördlich und südöstlich wurden vereinzelt
weitere Steine in Tiefen bis zu 88 cm erbohrt, die die Vermutung auf das
Vorhandensein von Gruben im näheren Umfeld stützen.
Für die Messungen mit dem Magnetometer wurde der durch die Streufunde
markierte Bereich mit einem 20 m breiten und 20 m langen Meßsystem
überzogen; der Meßabstand betrug 0,5 m. Die Meßbarkeit von
archäologischen Strukturen im Boden beruht auf einem natürlichen bodennahen
Magnetfeld, das durch magnetische Bestandteile des A-Horizontes (Pflughorizont)
bestimmt wird (Becker 1996). Werden anthropogene Eingriffe, z.B. Gruben oder
Fundamente, mit ortsfremden Material oder Oberboden verfüllt, ergeben sich
Veränderungen im bodennahen Magnetfeld, die mit dem Magnetometer gemessen
werden können. Nach der Aufnahme im Feld werden die Meßwerte in ein Rasterbild
umgesetzt, wobei jedem einzelnen Wert eine Grau- oder Farbstufe zugeordnet wird.
Das Rasterbild der Meßwerte zeigt am nördlichen Rand die ost-westlich
orientierte Grabanlage (Abb. 4). Sie setzt sich mit negativen (gelben) Werten im
Inneren und positiven (blauen) Werten am Rand deutlich gegen die mittleren Werte
von Pflughorizont und Lößuntergrund ab. Im südöstlichen Viertel zeichnet
sich eine ovale Konzentration positiver (blauer) Werte ab, die eine Grube
vermuten lassen, zumal an dieser Stelle in 88 cm Tiefe ein Stein erbohrt
wurde (roter Punkt). Die Außenmaße der Grabanlage (blauer Rahmen) betragen ca.
10 m x 4 m, die Innenmaße (gelbe Fläche) 8 m x 2 m. Der
Befund scheint im Osten schlechter erhalten - vermutlich hat der Pflug 1984 die
Anlage an dieser Stelle teilweise zerstört, während die westliche
Kammerhälfte verschont blieb.
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| Abb. 4:
Odagsen II. Genordetes Rasterbild der
Meßwerte in nT (Nanotesla). Die Meßwerte der im Bild zusammengesetzten
Felder wurden auf den Median 0 normiert. Eine weitere Bearbeitung wurde
nicht vorgenommen. Mit den roten Punkten sind Steine im Untergrund
markiert.
Fig. 4: Odagsen II. Geomagnetical survey. The position of the burial
chamber is marked by a yellow rectangular structure and a concentration of
stones (limestone, red signature).
© Christoph Rinne / Sandra Viehmeier |
Die innerhalb des Grabes gemessenen negativen Werte lassen in
Verbindung mit den Oberflächenfunden auf ein Pflaster aus Kalkstein schließen,
da dieser keine magnetisierten mineralischen Bestandteile enthält. Der Rahmen
aus positiven Werten entsteht durch mineralreiche und deutlich stärker
magnetisierte Schwarzerde, die in einem umlaufenden Graben eingelagert ist. An
der östlichen Schmalseite, wo dieser Graben fehlt, ist der Eingang zur
Grabanlage zu vermuten. Zur Kontrolle der Ergebnisse der magnetischen
Prospektion wurde am nordwestlichen Kammerrand mit einem Hohlbohrer mehrere
Proben genommen. Sie zeigen eine 5 bis 25 cm starke braun-humose
Bodenschicht unter dem Pflughorizont und bestätigen die Interpretation der
positiven Meßwerte als umlaufenden Graben.
Die Prospektion zeigt ein Ost-West orientiertes Steinpflaster,
das aufgrund der Funde als neolithisches Kollektivgrab des 4./3. Jt. angesprochen werden
kann. In ihren äußeren Abmessungen ist die Anlage mit dem kürzlich entdeckten
Grab von Remlingen (Niedersachsen) gut vergleichbar (Dirks
1999). Die lückenhaft in maximal 35 cm Tiefe erbohrten Reste des
Steinpflasters sowie die insgesamt geringe Befundtiefe in den Bohrkernen weisen
auf eine schlechte Erhaltung unmittelbar unter dem Pflughorizont hin. Das Grab
ist akut gefährdet und sollte möglichst rasch ausgegraben werden, um
wenigstens noch letzte Strukturen dokumentieren zu können.
Danksagung:
Frau U. Werben hat uns dankenswerter Weise die Funde und ihre gesamte
Dokumentation zur Verfügung gestellt.
Für freundliches Entgegenkommen möchten wir uns bei dem Grundbesitzer Herrn
E.-A. Wille (Odagsen) bedanken. Die Prospektion fand in enger Zusammenarbeit mit
Herrn Dr. A. Heege (Untere Denkmalschutzbehörde der Stadt Einbeck) statt und
wurde von Herrn Prof. Dr. K.-H. Willroth (Seminar für Ur- und Frühgeschichte
der Universität Göttingen) durch das zur Verfügung gestellte Magnetometer
unterstützt. Trotz eisiger Kälte und Regen haben uns unsere Kommilitonen Sonja König M.A. und Stefan Hainski tatkräftig unterstützt.
Herr Prof. Dr. F. Siegmund (Göttingen, Basel) hat uns freundlicherweise ein in
FORTRAN geschriebenes Programm zur Überarbeitung der Meßwerte zur Verfügung
gestellt.
Literatur
Becker, Helmut:
Archäologische Prospektion. Luftbildarchäologie und Geophysik.
Arbeitshefte des bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege 59. München 1996.
Dirks, Ulrich:
Ein Mauerkammergrab der
Bernburger Kultur bei Remlingen (Niedersachsen). In: www.jungsteinsite.de - Artikel vom
14. November 1999.
Heege, Elke / Heege, Andreas:
Die Häuser der Toten. Jungsteinzeitliche Kollektivgräber im Landkreis
Northeim. Wegweiser zur Vor- und Frühgeschichte 16. Hildesheim 1989.
Heege, Elke / Heege, Andreas / Werben, Ursula:
Zwei jungneolithische Erdwerke aus Südniedersachsen. Der "Kleine
Heldenberg" bei Salzderhelden, Stadt Einbeck, und das Erdwerk am Kiessee
bei Northeim. Neolithische Funde und Befunde. Die Kunde N.F. 41/42, 1990/91,
85-126.
Heege, Andreas / Werben, Ursula:
Nachrichten aus der Ur- und Frühgeschichte. Jahresbericht 1993 der
Archäologischen Denkmalpflege der Stadt Einbeck und der Beauftragten für die
Archäologie der Stadt Einbeck. Einbecker Jahrbuch 43, 1994, 5-28.
Rinne, Christoph / Viehmeier, Sandra:
Die geomagnetische Prospektion des Kollektivgrabes Odagsen II. Einbecker
Jahrbuch 46, 1999.
Siegmund, Frank / Viehmeier, Sandra:
Viehkral, Kultplatz, Befestigung? In: Andreas Heege, Fliegen - Finden -
Forschen. Luftbildarchäologie in Südniedersachsen. Bilder und Texte aus
Südniedersachsen 1. Hannover 1994, 18-21.
Werben, Ursula:
Archäologische Untersuchungen an der Bundesstraße 3 bei Einbeck, Ldkr.
Northeim. Ein Überblick. Studien zur Einbecker Geschichte 10. Oldenburg 1996.
© Christoph Rinne / Sandra Viehmeier 1999
Christoph Rinne M.A.
Sandra Viehmeier M.A.
Seminar für Ur- und Frühgeschichte
Nikolausberger Weg 15
D-37073 Göttingen
crinne@t-online.de