Ein spätbandkeramisches Erdwerk bei Usingen im Taunus
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Artikel vom 12. Februar 2002

Eckhard Laufer

 

Noch vor wenigen Jahrzehnten galten bandkeramische Erdwerke als eine Ausnahmeerscheinung. Dank neuer Prospektionsmethoden ist mittlerweile eine große Zahl von Anlagen bekannt, doch das neu entdeckte Erdwerk bei Usingen ist wiederum ein Sonderfall. Im Hintertaunus abseits der bandkeramischen Hauptsiedelgebiete gelegen, liefert es einen Beleg für die beginnende Erschließung der Mittelgebirgslagen am Ende der bandkeramischen Entwicklung.

 

Usingen - a causewayed enclosure of the late Linear Pottery Culture
In 1999 a causewayed enclosure of the late Linearbandkeramik (Linear Pottery Culture) was discovered near Usingen in Hesse (c. 25 km north of Frankfurt). The ditch-system is part of a small settlement concentration detected by surface collections over the last years. Located in the Taunus highlands and in considerable distance to the main distribution centres of the Linearbandkeramik, the Usingen enclosure indicates a remarkable (short-term) extension of the Neolithic settlement areas around 5000 BC. This interim report by Eckhard Laufer gives an overview over the current state of research.

 

Einleitung

Seit 1993 führen ehrenamtliche archäologische Feld- und Flurbegehungen im Usinger Becken, einer ca. 70 km2 großen tertiären Senke in der Hochfläche des östlichen Hintertaunus, jedes Jahr zur Entdeckung neuer archäologischer Bodendenkmäler. Bis 2001 waren es mehr als 300 Fundstellen aus unterschiedlichen Zeitstufen, darunter sechs spätbandkeramische Plätze, einschließlich eines etwa 2,4 Hektar großen Erdwerks. Sie liegen deutlich abseits der bekannten bandkeramischen Siedlungskonzentrationen in den hessischen Beckenlandschaften. Mit den Ansiedlungen in einer Höhe zwischen 250 bis über 400 m üNN ist es westlich der Wetterau gelungen, einen der noch seltenen Nachweise der frühneolithischen Nutzung des Hessischen Berglandes zu erbringen. So liegen zwischen Rhein, Main und Weser nur 1,5 % aller bandkeramischen Fundstellen oberhalb von 300 m Höhe (Kneipp 1998, 33 Abb. 9), während allein vier der sechs Usinger Plätze in diese Klasse fallen.

Im Rahmen eines gemeinsamen Projektes von ehrenamtlichen Kräften und dem Seminar für Vor- und Frühgeschichte der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main wurden die bandkeramischen Fundplätze unter dem Titel "Periphere Plätze der Bandkeramik im Usinger Becken" von 1996 bis 2000 näher untersucht (Wotzka et al. im Druck; den Mitautoren möchte ich für Ihre Zustimmung zur Veröffentlichung dieser gekürzten Version des Vorberichtes danken). Kernfrage war, was die Menschen gegen Ende der Linearbandkeramik bewog, sich im Usinger Becken niederzulassen, wo ein im Vergleich zur benachbarten Wetterau feuchteres und kühleres Klima geherrscht haben dürfte.

Prospektionen

1996 bis 1998 wurden zunächst Intensivbegehungen mit Einzelfundeinmessungen durchgeführt, um die an der Oberfläche erkennbare Fund- und Befundverbreitung zu erfassen. Begleitet wurden diese Maßnahmen durch bodenkundliche Untersuchungen, um eine Beurteilungshilfe bei der Abschätzung von Bodenerosion und Befunderhaltung in verschiedenen Reliefpositionen zu erlangen. Vor dem Hintergrund dieser Erkenntnisse wurden im Sommer 1999 alle bis dahin bekannten spätbandkeramischen Fundplätze geomagnetisch prospektiert, um sie zunächst großflächig und zerstörungsfrei zu untersuchen. Ein parallel stattfindendes palynologisches Taunusprojekt erbrachte im näheren Umfeld der Fundstellen leider keine Erkenntnisse zur Vegetation in bandkeramischer Zeit, jedoch gute Einblicke in die landschaftlichen Verhältnisse seit der Bronzezeit (Schmenkel im Druck).

Die Entdeckung des Erdwerks

Mit freudiger Überraschung wurde bei der Magnetometer-Prospektion der flächenmäßig größten Fundstelle, nordöstlich von Usingen im Mündungszwickel zwischen Eschbach und Usa gelegen, ein offensichtlich mehrphasiges Erdwerk entdeckt, dessen Gräben bereits an fünf Stellen bei der Verlegung zweier Versorgungsleitungen unbeobachtet angeschnitten worden sein müssen (Abb. 1).

 

Magnetometer-Survey

Abb. 1: Topographische Karte 1:5000 mit dem Magnetometer-Survey der geophysikalischen Prospektion des Erdwerks (Posselt & Zickgraf, Aug.-Dez.1999).
Vergrößerter Ausschnitt der Magnetometer-Fläche

Fig. 1: Topographical map with overlaid geophysical survey data, indicating the extent and the position of the enclosure ditches (yellow arrows indicate "Versorgungsleitungen" = modern supply lines; "Haus" = Linear Pottery house feature).
Zoom on detail

© Hans-Peter Wotzka 2002

 

Im Grabensystem sind mindestens vier Durchlässe erkennbar (Abb. 2). Dort, wo sich die Gräben schneiden, dürften unterschiedliche Bauphasen vorliegen. Ein nordsüdlich verlaufendes Gräbchen im Norden der Anlage, das einst Gräben verschiedener Phasen verbunden zu haben scheint, könnte einen konstruktiv-funktionalen Zusammenhang der Gesamtanlage andeuten. Hypothetisch besteht neben der Annahme dreier verschiedener Bauphasen auch die Möglichkeit, dass mehrere oder alle Gräben zu einem bestimmten Zeitpunkt gleichzeitig vorhanden und in Nutzung waren. Die relative Chronologie des Erdwerks kann jedoch nicht auf der Grundlage des Magnetikplanes, sondern nur durch Ausgrabung definitiv geklärt werden.

Höhenschichtenplan mit Grabenverlauf Abb. 2: Höhenschichtenplan mit dem Verlauf der Gräben des Erdwerks (rot), den möglichen Toren und den Ausgrabungs-
schnitten S1 bis S3 im Norden.
Vergrößerter Ausschnitt der Grabenanlage

Fig. 2: Contour map of the area under study with enclosure ditches (red; "Tor" = gateway) and excavation trenches (S1-3).
Zoom on detail

© Hans-Peter Wotzka 2002

Im Norden und Osten ist der Grabenverlauf lückenhaft. Während er sich im Osten stellenweise als schmale Linie weiter verfolgen lässt, fehlt er im Norden gänzlich. Möglicherweise wurde der Graben hier durch den Eschbach abgetragen, oder das Gewässer war sogar selbst Bestandteil der Einfriedung. Die dünne Linie deutet darauf hin, dass hier der Graben und andere Befunde im Unterhangbereich erodiert bzw. durch Kolluvien überdeckt sind.

Im Inneren der Anlage sind zahlreiche Befunde (Gruben) sowie zwei Hausreste mit Wandgräbchen im Nordwestteil erkennbar. Da diese annähernd westöstlich ausgerichtet sind, dürften sie einem späten Abschnitt innerhalb der bandkeramischen Entwicklung zuzurechnen sein.

Bodenkundliche Erkenntnisse

Die Verbreitung der Bodentypen gibt Abb. 3 wieder. Das Ausgangsmaterial der Bodenbildung besteht aus Löß, aus dem sich in der Regel ausgeprägte Parabraunerden gebildet haben (3). Im Bereich der Hauptfundkonzentration wurden teils erhebliche Bodenprofilverkürzungen und am Mittel- und Unterhang stark erodierte Parabraunerden festgestellt (2). Am Übergang zum Unterhang beträgt die Bodenentwicklungstiefe nur noch 10 bis 75 cm über kalkhaltigem Löß, im Gegensatz zu meist mehr als einem Meter in der Mittelhangposition und 150 cm im Westen und Südwesten des Erdwerks (3). Die Flächen stärkster Bodenerosion liegen im Süden des prospektierten Gebietes vor allem an Unterhangpositionen, reichen jedoch im Bereich der Grabungsschnitte (Abb. 2) von Osten auf den Kulminationsbereich der Kuppe hinauf und sind durch das Vorkommen von Pararendzinen (1) gekennzeichnet. Am östlichen Unterhang liegt ein über 100 cm mächtiger Kolluvisol (5), der hangaufwärts stark erodierte Parabraunerden abdeckt (4).

Bodentypenkarte Abb. 3: Bodentypenkarte mit den Ergebnissen der bodenkundlichen Prospektionen im Erdwerk.

Fig. 3: Soil types according to the pedological survey.

© Bernd Starossek 2002

Bodentypenkarte - Legende

 

Gesamtplan der Grabung

Die reliefbedingte Bodenabfolge mit den verschiedenen Erosionsstadien ließ sich auch direkt in den Grabungsplana auf dem nach Norden abfallenden Hang zum Eschbach verfolgen, wo ein zusätzlicher Tiefschnitt ein 1,50 m mächtiges Kolluvium über Lößlehm (Bv-Horizont) zeigte (Abb. 4). Die Ausprägung der Lößböden steht mit ihren erosionsbedingten Varietäten in direktem Zusammenhang mit der Geländemorphologie der Fundstelle. Der Ausbildung stark entwickelter Parabraunerden auf der Kuppenfläche mit geringer Hangneigung stehen die gekappten Parabraunerden der Mittelhänge sowie die Pararendzinen am Übergang zu Unterhangpositionen als Ausdruck extremer Bodenerosion gegenüber.

Abb. 4: Gesamtplan der Ausgrabung mit den eingetragenen Befunden und Bodentypen sowie der Lage der Grabenprofile C-D und P-Q in Schnitt 2 (vgl. hierzu Abb. 5 und 6).
Vergrößerte Ansicht

Fig. 4: Plan of the excavated area (trenches 1-3) with features, soil types and the position of the ditch cross-sections C-D and P-Q (cf. Fig. 5-6).
Magnified view

© Hans-Peter Wotzka 2002

 

Ergebnisse der Ausgrabung im Herbst 2000

Befunde
Es wurden drei Schnitte (S1 bis S3) im Nordwesten des Erdwerks angelegt, die auf ausgewählte Abschnitte des kleinen und größeren Grabentrapezes sowie verschiedene Gruben und den Westteil eines der Häuser ausgerichtet waren.
Der Gesamtplan (Abb. 4) bestätigt die nach dem Magnetikbild zu erwartende lockere Befundstreuung ohne größere Überschneidungen. Insgesamt wurden 68 Befunde aufgedeckt. Der nördliche Graben (Bef. 63, S3) liegt unter einem Kolluvium und hat eine durchschnittliche Breite von 2,85 m. Die Breite des in der Südhälfte der Schnitte 2 und 3 aufgedeckten Grabenteilstücks mit Grabenknie schwankt von West nach Ost zwischen 4 m (Bef. 38, S2) und gut 2 m (Bef. 49, S3), was mit der nach Osten hin schlechteren Bodenerhaltung (Erosion) zu erklären ist.

Von dem Hausrest (Bef. 5, S2) ist die westliche Schmalwand auf einer Breite von 4,75 m vor dem Ostprofil von Schnitt 2 nicht ganz vollständig erfasst. An die Südwestecke schließen zwei nach Südwesten verlaufende Reihen von Doppelpfostenlöchern mit Durchmessern um 30 cm an (Bef. 6, 7, 10, 11, 15, 67 u. 9, 12, 13, 14), die wahrscheinlich als zwei Phasen eines ehemals mindestens 6,5 m langen Zaunes zu interpretieren sind (vgl. Aldenhovener Platte: Farrugia et al. 1973; Ulm-Eggingen: Kind 1989; Vaihingen an der Enz: Krause 1999; Krause/Werner 2001). Gut fünf Meter nordwestlich des Hauses liegen zwei weitere Doppelpfosten (Bef. 4, 8), die dieselbe Richtung aufweisen. Nach Westen und Süden schließen mehrere Gruben an, die mit Bef. 3 im Norden wohl zu den hausbegleitenden Gruben zu rechnen sind, wobei Bef. 16 mit einer Resttiefe von 1,30 m eine Silogrube gewesen sein könnte.

Soweit die Gruben eine hinreichend deutliche Gliederung aufwiesen, wurden sie schichtweise ausgegraben, um eine feinstratigraphische Trennung der Funde und der aus den ausgegrabenen Befunden entnommenen Bodenproben für die Archäobotanik zu erzielen.

In Schnitt 2 wurde das erfasste Grabenteilstück schachbrettartig ausgegraben (Bef. 38). Der Befund erwies sich als lebhaft verfüllter Spitzgraben mit einer Resttiefe von 1,90 m (Abb. 5). Im nord-südlich orientierten Querprofil hatte die Spitze des Grabens eine Breite von nur 12,5 cm, während er oben noch 2,85 m breit war. Unter Berücksichtigung bodenkundlicher Beobachtungen ergibt sich für die ursprünglichen Maße folgende vorsichtige Schätzung: Nach dem Verlauf der Löß-Verwitterungsgrenze zwischen Btv- und C-Horizont, die allgemein etwa horizontal verläuft, jedoch senkrecht unterhalb der ehemaligen Grabenkanten abtaucht, dürfte die Eintiefung oben ursprünglich nicht schmaler als 4,65 m gewesen sein. Da der Erosionsverlust über dem Graben mindestens 60 cm beträgt und sich das Planum 40 cm unter der Oberfläche befand, ist zudem mit einer ehemaligen Mindesttiefe von etwa drei Metern zu rechnen.

 

Spitzgraben, Querprofil

Abb. 5: Querprofil durch den Spitzgraben in Schnitt 2 (vgl. mit Abb. 4). Am südlichen Rand des Grabens schneidet eine zeitlich jüngere Grube die Schichtenabfolge des Grabens. In der Grube befand sich ein jung-/spätneolithisches Steinbeil (siehe Abschnitt Fundmaterial).

Fig. 5: Section C-D of the ditch in trench 2 (cf. Fig. 4). In the south the ditch is cut by a pit dating to the Younger Neolithic (point-butted axe).

© Hans-Peter Wotzka 2002

 

In den Grabenprofilen konnten, je nach Position, 15 bis 20 unterschiedlich mächtige Verfüllschichten erkannt werden. Vorhanden sind dunkle schmale Bänder mit erhöhtem Holzkohleanteil, Brandschichten mit großen Mengen verziegelten Lehms, die eher anthropogenen Ursprungs sein dürften, und hellere, stärker lößhaltige, meist mächtige Sedimentlagen. Manche Schichten erstrecken sich horizontal über mehrere Meter, andere bilden kleinräumige Linsen. Im unteren Bereich repräsentieren immer wieder fundarme Linsen mit hohem Lößanteil, die mit einer gut 40 cm mächtigen humushaltigen Schicht verzahnt sind, sehr wahrscheinlich Flankenausbrüche in der Folge von Starkregen.

Genauere Erkenntnisse zur Schichtung wie auch zur Wirtschaftsgeschichte des Erdwerks dürften die archäobotanischen Untersuchungen der verkohlten Pflanzenreste liefern, die schon während der Ausgrabung erfreulicherweise in größeren Mengen sowohl im Graben als auch vereinzelt in anderen Gruben erkennbar waren.

Fundmaterial
Das Silexinventar umfasst 33 Stücke aus überwiegend ortsfremdem Rohmaterial (westische Feuersteine, Rijckholt-Feuerstein, sog. Baltischer Feuerstein), darunter eine Pfeilspitze. Während Mahl- und Schleifsteine mit 26 Fragmenten vertreten sind, fand sich nur ein einziger Klopfstein aus lokalem Material. Unter einigen hundert Keramikscherben befinden sich etwa 200 verzierte Stücke, die einen in sich geschlossenen, nicht von den Inventaren der anderen zeitgenössischen Plätze des Usinger Beckens unterscheidbaren Komplex bilden. Die überwiegend gestochene, oft in Tremolierstichtechnik oder als feine Schraffuren ausgeführte Ornamentik, ein ortstypisches Gemisch aus Leihgesterner Kammstrich und Plaidter Kammstich, verweist auf die Endphase der Bandkeramik (Stilgruppe 9 nach Kneipp 1998 bzw. Phase V nach Meier-Arendt 1966).

In einer jüngeren Störung im Südrand des Grabens fand sich das einzige Steinbeil der Grabung, ein spitznackiges Basaltbeil, das wohl kein bandkeramisches Stück ist, sondern im Rahmen eines jung- bis spätneolithischen oder späteren Wiedereingriffs in den bereits verfüllten Graben gelangte. Einige wenige typisch bandkeramische Dechsel wurden in den Jahren zuvor bereits als Oberflächenfunde innerhalb des Erdwerks aufgelesen.

14C-Daten
Insgesamt wurden acht Proben an die Laboratorien der Universitäten Utrecht und Kiel eingereicht, wobei fünf Proben aus dem Grabenteilstück in Schnitt 2 (Bef. 38) und drei weitere aus den Befunden 3, 16 und 27 stammen. Alle Proben wurden vor ihrem Versand einer botanischen Bestimmung unterzogen - in fünf Fällen handelt es sich um kurzlebiges Material.

Die Ergebnisse zeigen einen konsistenten, statistisch homogenen Datensatz (Tab. 1). Die Alterswerte der Proben aus dem Graben sind nicht von den Ergebnissen für die Gruben unterscheidbar, was auf eine chronologische und (sekundär-) funktionale Zusammengehörigkeit des mutmaßlich ältesten Grabens mit den von anderen Grabenphasen umschlossenen Befunden schließen lässt.

 

Nr.

Labor-
nummer

Befund, Kontext,
Tiefe unter Oberfläche

Probenmaterial

BP
(±1 sigma)

cal BC
(1 sigma)

1

KIA-12427

Graben, Schicht XVIII
(= oberste Schicht), 50 cm

Erbse (cf. Pisum sativum), verk.

6132 ± 46

5210-4950

2

UtC-10786

Graben, Schicht XVI, 65 cm

Getreide (Triticum monoc.?), verk.

6091 ± 48

5190-4850

3

UtC-10805

Graben, Schicht XXXI, 145 cm

Getreide (indet.), verk.

6050 ± 50

5020-4810

4

UtC-10787

Graben, Schicht XXVI, 190 cm

Leguminose (Pisum?), verk.

6142 ± 40

5210-4990

5

KIA-12428

Graben, Schicht III
(= unterste Schicht), 225 cm

indet., verk.

5960 ± 52

4910-4730

6

UtC-10806

Grube 16, Abtrag 4, 75 cm

Holzkohle (Laubholz)

6094 ± 48

5200-4850

7

UtC-10807

Grube 3, Abtrag 3, 65 cm

Holzkohle (Quercus spec.)

6100 ± 50

5210-4850

8

UtC-10808

Grube 27, Abtrag 2, 55 cm

Linsenwicke(Vicia ervilia), verk.

6101 ± 46

5200-4860

Tab. 1: 14C-AMS-Daten zum spätbandkeramischen Erdwerk in Usingen.
Die Proben Nr. 1-5 sind nach der Schichtenfolge des Grabens geordnet (verk. = verkohlt).

Table 1: Radiocarbon (AMS) dates. The samples no. 1-5 are sorted according to their stratigraphical position
("verk." = charred).

Längsprofil durch den Spitzgraben Abb. 6: Längsprofil durch den Spitzgraben in Schnitt 2 (vgl. mit Abb. 4) mit nummerierter Schichtenabfolge und den 14C-Daten der aus den zugehörigen Schichten entnommenen Proben (vgl. mit Tab. 1 Nr. 1-5).

Fig. 6: Longitudinal section of the ditch in trench 2 (cf. Fig. 4) with the stratigraphical position of the radiocarbon samples indicated (cf. Table 1, samples no. 1-5).

© Hans-Peter Wotzka 2002

Die fünf Proben aus dem Grabenteilstück lassen sich unter Berücksichtigung ihrer Schichtzugehörigkeiten durch Anwendung des so genannten Archäologischen Wiggle Matching weiterführend interpretieren (Abb. 6): Unter der nach den Keramikfunden plausiblen Annahme, dass die Siedlungsperiode im Usinger Becken insgesamt nur etwa ein bis zwei Generationen umfasste, kann mit hypothetischen Verfüllungszeiträumen des Grabens zwischen 20 und 50 Jahren experimentiert werden. Nach der "langen Chronologie" hätte die Verfüllung in den letzten Dekaden des 51. vorchristlichen Jahrhunderts begonnen, und die oberste erfasste Schicht XVIII wäre noch vor der Mitte des 50. Jahrhunderts zur Ablagerung gekommen. Bei einer angenommenen kürzeren Verfüllungszeit von nur 20 bis 40 Jahren könnte sich dieser Vorgang auch komplett in der ersten Hälfte des 50. Jahrhunderts ereignet haben.

Zusammenfassung

Sechs spätbandkeramische Fundstellen in mittlerer und höherer Mittelgebirgslage repräsentieren eine Besiedlung des Usinger Beckens in frühneolithischer Zeit abseits der klassischen Senkenlandschaften. Sie bildeten eine eigene Siedlungskammer, existierten aber wohl nur wenige Jahrzehnte, was auch für das Erdwerk mit mindestens einem gleichzeitig bestehenden Haus gilt. Das ausgegrabene Grabenteilstück dürfte innerhalb weniger Jahrzehnte im späten 51. und/oder in der ersten Hälfte des 50. Jh. v. Chr. sowohl natürlich als auch anthropogen wieder verfüllt worden sein, wobei mit den 14C-Analysen eine erste aussagefähige Datenserie zur späten Bandkeramik im Usinger Land gewonnen werden konnte.

 

Weiterführende Hinweise

Weitere Einzelheiten zum Projekt "Periphere Plätze der Bandkeramik im Usinger Becken" sind unter www.rz.uni-frankfurt.de/~elaufer/proj-lbk/lbk.htm verfügbar.

Ein ausführlichen Bericht über die Grabung mit zahlreichen Abbildungen und zusammenfassender Darstellung des geborgenen Fundmaterials findet sich unter www.rz.uni-frankfurt.de/~elaufer/proj-lbk/ew-0.htm.

Die bodenkundlichen Untersuchungen führte Dipl.-Geograph Bernd Starossek, Marburg, durch; die geomagnetische Prospektion erfolgte durch die Firma Posselt & Zickgraf Prospektionen GbR (www.pzp.de).

 

Literatur

Farrugia, Jean-Paul / Kuper, Rudolph / Lüning, Jens / Stehli, Petar:
 Der bandkeramische Siedlungsplatz Langweiler 2, Gemeinde Aldenhoven, Kreis Düren. Rheinische Ausgrabungen 13. Bonn 1973.

Kind, Claus-Joachim:
Ulm-Eggingen. Die Ausgrabungen 1982 bis 1985 in der bandkeramischen Siedlung und der mittelalterlichen Wüstung. Forschungen und Berichte zur Vor- und Frühgeschichte in Baden-Württemberg 34. Stuttgart 1989.

Kneipp, Jürgen:
Bandkeramik zwischen Rhein, Weser und Main. Studien zu Stil und Chronologie der Keramik. Universitätsforschungen zur prähistorischen Archäologie 47.Bonn 1998.

Krause, Rüdiger:
Die bandkeramischen Siedlungsgrabungen bei Vaihingen an der Enz, Kreis Ludwigsburg (Baden-Württemberg). Ein Vorbericht zu den Ausgrabungen von 1994-1997. Mit Beiträgen von Rose-Marie Arbogast, Sibylle Hönscheidt, Jörg Lienemann, Stephan Papadopoulos, Manfred Rösch, Isabelle Sidéra, Hans W. Smettan, Hans-Christoph Strien und Katrin Welge. Bericht der Römisch-Germanischen Kommission 79, 1998, 5-105.

Krause, Rüdiger / Wolfgang M. Werner 2001:
Bandkeramische Siedlung in Vaihingen/Enz. Stand und Perspektiven der Ausgrabung.
Stand 8. Sept. 2001.
http://home.bawue.de/~wmwerner/grabung/vaih.html

Meier-Arendt, Walter:
Die bandkeramische Kultur im Untermaingebiet. Veröffentlichungen des Amtes für Bodendenkmalpflege im Regierungsbezirk Darmstadt 3. Bonn 1966. 

Schmenkel, Gabriele:
Pollenanalytische Untersuchungen im hessischen Mittelgebirge Taunus. Berichte der Kommission für Archäologische Landesforschung in Hessen 6, 2000/2001 (im Druck).

Wotzka, Hans-Peter / Laufer, Eckhard / Posselt, Martin / Starossek, Bernd:
"Periphere" Plätze der Bandkeramik im Usinger Becken (Östlicher Hintertaunus, Hessen). Vorbericht für die Jahre 1999 und 2000. Berichte der Kommission für Archäologische Landesforschung in Hessen 6, 2000/2001 (im Druck).

 

© Eckhard Laufer 2002

Eckhard Laufer
Archäologie-AG Usingen
www.rz.uni-frankfurt.de/~elaufer
E.Laufer@em.uni-frankfurt.de

 

 

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