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Zur räumlichen Darstellung von
Radiokarbondaten:
Zwei Beispiele aus dem Endneolithikum
www.jungsteinsite.de - Artikel vom 7. Februar 2000
Johannes Müller
Im Umgang mit 14C-Daten stehen
nach wie vor Fragen der Gruppierung auf der Zeitachse im
Vordergrund. Übersehen wird dabei häufig das räumlich-geographische Aussagepotential von Radiokarbondaten bei der
Rekonstruktion historischer Prozesse. Die GIS-basierte
Auswertung der räumlichen Dimension von Zeit eröffnet indes neue
Interpretationsmöglichkeiten, die hier anhand zweier Fallstudien exemplarisch
illustriert werden.
The
spatial depiction of radiocarbon data: two case studies of the European late
neolithic
With the help of spatial interpolation methods (vertical mapping etc.)
archaeologists are able to use 14C-data in a relatively simplistic
way for the verification of distribution tendencies of archaeological phenomena.
Depending on the quantity and quality of the 14C-data results more or
less display historical realities or they form interesting hypotheses.
In this article a "global" and a "regional" case study are being focussed on to develop the possible advantages of the new method: on the
one hand an evaluation of oldest Bell Beaker data in Europe, on the other hand
an inquiry into the data structure of Corded Ware samples in the Central
Elbe-Saale region.
Interpolation by the help of Delaunay triangulation as well as Inverse Distance
Weighting shows reasonable results: Bell Beakers are probably older in their
southern distribution areas; Corded Ware results are to be explained partly by
the postulation of a long living Thuringian group.

1. Einleitung
2. Problemstellung und
methodischer Weg
3. Fallstudie 1: 14C-datierte Glockenbecher europaweit
4. Fallstudie 2: 14C-datierte Schnurkeramik im
Mittelelbe-Saale-Gebiet
5. Gesamtbewertung
Literatur
Anhang: 14C-Datenliste
1. Einleitung
Die Auswertung und Interpretation von Radiokarbondaten zur
Beurteilung prähistorischer Phänomene ist nicht nur von deren chronologischer,
sondern auch von deren räumlicher Darstellung abhängig. Hier sind es
insbesondere neue technische Möglichkeiten zur kartographischen Verarbeitung
innerhalb Geographischer Informationssysteme (GIS), die eine Verbindung aus Raum
und Zeit bei der Präsentation von 14C-Daten ermöglichen.
Im folgenden sollen einerseits am Beispiel einer überregionalen Studie zur
Glockenbecherkeramik in Europa (Müller/van Willigen im Druck), andererseits mit
Hilfe einer regional angelegten Studie zur Schnurkeramik im
Mittelelbe-Saale-Gebiet (Müller 1999) entsprechende Auswertungsmöglichkeiten
vorgelegt werden.
Bevor ich jedoch auf die Datenbasis, die Methodik der
räumlichen Darstellung und die Ergebnisse der beiden Studien eingehe, seien
drei Vorbemerkungen gestattet:
- Die Anzahl verwertbarer 14C-Daten - d.h.
solcher mit kurzlebigen Proben und eindeutiger Inventarzuordnung - ist nach
wie vor viel zu niedrig. Dementsprechend möchte ich meinen kurzen Beitrag -
und gerade seine Lückenhaftigkeit - als Ansporn für weitere
Datierungsprojekte auffassen.
- Trotzdem scheint mir die Menge an 14C-Daten aus den
beiden Studien bereits ausreichend, um zumindest das Potential der
angewandten Methodik - das Erstellen von Isolinienkarten auf der Basis von
Triangulation und Inverse Distance Weighting (IDW) (Bartelme 1995, 117ff.;
Burrough / McDonnell 1998, 117ff.; Bill, 66ff.) - zu demonstrieren.
- Die Ergebnisse haben natürlich nur provisorischen
Charakter und sollen einen Schritt auf dem Weg der Wahrheitsfindung
darstellen.
2. Problemstellung und methodischer Weg
Die Verbreitung und Dauer archäologischer Inventargruppen
kann aufgrund rein typologischer Überlegungen nicht beantwortet werden. Auch
Vertikalstratigraphien helfen nur bedingt bei der zeitlichen Korrelation
regionaler Sequenzen. Entsprechend sind absolutchronologische Datierungen
notwendig, um das zeitliche Verhältnis überregionaler Phänomene in
verschiedenen Regionen bzw. das Auftreten bestimmter Elemente in Nachbarregionen
- auch kleinregionalen Maßstabes - in einem Zeitraster zu erfassen. So ist es
nur mit Hilfe typologieunabhängiger Datierungen möglich, Ausbreitungsrichtungen
festzustellen und damit eine Basis z.B. auch für die historische Interpretation
von Verbreitungskarten zu erlangen. Was gleich aussieht, muß, wie wir wissen,
nicht gleich alt sein.
Leider liegen an absolutchronologischen Datierungen z.Z. vor
allem 14C-Daten mit den bekannten Ungenauigkeiten vor. Als
statistische Werte ist ihre Aussagekraft nur mit einer gewissen
Wahrscheinlichkeit annehmbar (vgl. Weninger 1997). Entsprechend ergeben sich
primär zwei Wege für die Verarbeitung dieser Daten, um Hinweise auf einen
historischen Zeitpunkt zu erhalten (vgl. Abb. 1):
- Um sich dem ältesten Zeitpunkt eines Auftretens z.B. der
Glockenbecher in verschiedenen Regionen zu "nähern", können
älteste Daten mit sicherem Kontext und kurzlebigen Probenmaterial
miteinander verglichen werden. Hier ergibt sich das Problem, daß bereits
schwierig zu bewertende Einzeldaten eine erhebliche Veränderung der Aussage
bewirken können.
- Als Alternative können alle sicheren Daten einer Region
verarbeitet werden, um über die Durchschnittswerte pro Region einen Hinweis
auf die Zeitschwerpunkte z.B. von Glockenbechern zu erhalten. Der Nachteil
dieser Vorgehensweise besteht darin, daß unterschiedlich lange Laufzeiten
in den Regionen zu erheblichen Verzerrungen der Ergebnisse führen können.
Erst aus einem Abgleichen der Ergebnisse beider
Vorgehensweisen sollte eine gewisse Aussage möglich sein.
| Datenbasis |
Geostatistische
Methode |
Fehlerquellen |
| Älteste
Daten pro Region |
Triangulation |
Hohe
Fehlersequenz durch Einzeldaten möglich |
| Regionale
Durchschnittswerte aller Daten |
Inverse
Distance Weighting (IDW) |
Fehler
durch regional unterschiedliche Dauer möglich |
| Unterschiedliche
Werte |
Voronoi-Diagramm |
identisch |
Abb. 1: Möglichkeiten
und Fehlerquellen der geostatistischen Verarbeitung von 14C-Daten.
Fig.
1: Possibilities
and error sources for the geostatistical inquiry of 14C-data.
Für die räumliche Verarbeitung u.a. von 14C-
Daten stehen, - z.B. mit dem Programm Vertical Mapper des Programmpaketes
MAPINFO recht einfach zu verarbeiten, bestimmte Methoden der räumlichen
Statistik zur Verfügung. So bietet sich für die Modellberechnungen von Einzeldaten aus unterschiedlichen
Regionen die Triangulation an. Folgendermaßen kann vorgegangen werden:
- Die originalen Datenpunkte werden räumlich über
möglichst equilaterale Dreiecke nach dem Delaunay-Kriterium der
Nächsten-Nachbar-Beziehung miteinander verbunden. Dabei wird vorausgesetzt,
daß der Kreiszirkel um jedes beliebigen Dreieck keine Datenpunkte eines
anderen Dreieckes mit einschließt.
- Über das so erhaltenen irregulare Triangulations-Netzwerk
wird ein geglättetes rectangulares Netzwerk gelegt, das einen bivariaten
fünf- oder polynominalen Ausdruck in der X- und Y-Richtung für jede
Dreieck-Fläche benutzt.
- Die Wertigkeiten der symmetrischen Netzknoten werden zur
Umrechnung in Isolinien benutzt.
Diese Interpolation mit Hilfe der geglätteten Triangulation
ist nur bei Daten möglich, die keine regionale Durchschnittsbildung erfordern.
Anders verhält es sich bei der Verarbeitung sämtlicher regionaler Daten, die
eine hohe Variabilität aufweisen und wo es notwendig ist, den "moving
average" zu verfolgen. Als Interpolationsmethode bietet sich das Inverse
Distance Weighting (IDW) an. Hier ist die Vorgehensweise anders:
- Für jeden Netzknoten werden die Werte der umliegenden
Datenpunkte berücksichtigt, die in einem vom Benutzer definierten Radius
liegen.
- Der Netzknotenwert wird aus dem Durchschnittswert der
gewichteten Summe aller Punkte berechnet.
- Datenpunkte, die weiter entfernt von einem Netzknoten
liegen, beeinflussen diesen weniger als die näher gelegenen.
Als Resultat wird hier also ein "lokaler
Durchschnitt" berechnet, der über das gesamte Gebiet verfolgbar ist.
Mit diesen beiden Rechenmethoden kann die Berechnung vorgenommen werden. Zur
Kontrolle der erhaltenen Werte habe ich u.a. noch thematische Karten
angefertigt, die auf der Basis von Voronoi-Polygonen bestimmte Zeitverteilungen
wiedergeben, hier aber nicht vorgelegt werden.
3. Fallstudie 1: 14C-datierte Glockenbecher europaweit
Fragestellung und Datenbasis
Samuel van Willigen (Freiburg) und ich haben für das
Glockenbecher-Symposion in Riva del Garda (1998) die 14C-Daten der
europäischen Glockenbecher zusammengetragen, um Hinweise auf die Gültigkeit
regionaler Sequenzen und die überregionale Ausbreitungsrichtung - falls
vorhanden - des Glockenbechers zu erhalten. 182 14C-Daten liegen aus
dem gesamten Glockenbecherbereich mit sicherer Inventarassoziation vor
(Müller/van Willigen im Druck). Von diesen 182 konnten etwa 45 Daten als die
ältesten in verschiedenen Kleinregionen benutzt werden. Von diesen 45 handelt
es sich jedoch nur bei 31 um solche sowohl mit klarer Kontextassoziation als
auch kurzlebigem Probenmaterial.
Ergebnisse der Glockenbecher-Studie
Folgende Ergebnisse ließen sich feststellen:
- Die Delaunay-Triangulation aller älteren Daten - also
einschließlich botanisch nicht bestimmter Holzkohlen - führt zu keinem
eindeutigen Ergebnis (Abb. 2). Zwar zeichnen sich frühe und spätere
Regionen ab, doch zeigen sich z.B. auch im niederländischen Raum Gebiete,
die so frühe Daten zu liefern scheinen wie der mediterrane Raum. Ähnliches
gilt für die ungarischen Daten, deren zugehörige Inventare allerdings noch
nicht publiziert sind.
- Die Delaunay-Triangulation der älteren Daten nur mit
sicherem Kontext und aus kurzlebigen Probenmaterial zeigt ein anderes Bild:
die Glockenbecher sind offensichtlich in Teilen der Iberischen Halbinsel und
in Südfrankreich älter als in den nördlichen Gebieten ihrer Verbreitung
(Abb. 3).
- Vergleichbare Ergebnisse werden sichtbar mit den
Assoziation der Thiessen-Polygone um die einzelnen Datenpunkte, gefüllt mit
den Datenwerten.
- Die Durchschnittsbildung aus allen vorhandenen Datierungen
pro Region führt ebenfalls zu einem Ergebnis, daß die Präferenz
verschiedener mediterraner Daten gegenüber mitteleuropäischen darlegt
(Abb. 4).
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Abb. 2:
Die
Interpolation der ältesten 14C-Daten mit sicherem Kontext ohne Berücksichtigung der Qualität des
Probenmateriales aufgrund der Delaunay- Triangulation für Glockenbecher.
Anstatt der Ausbreitungstendenz, die in Abb. 3 sichtbar wird, fallen hier
z.B. ältere niederländische Daten auf.
Älteste Datierung (calBC)
Fig.
2: Interpolation of the oldest 14C-samples of Bell Beakers from
a reliable context, but without the investigation of the quality of the
sample material. The method uses Delaunay triangulation. In contrast to
fig. 3 which demonstrates a spatial direction of distribution, here elder
Dutch data conceal the predicted trend.
© Johannes Müller
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Abb. 3:
Die
Interpolation der ältesten 14C-Daten mit sicherem Kontext und aus kurzlebigem Probenmaterial aufgrund
der Delaunay-Triangulation für Glockenbecher. Einerseits wird die geringe
Zahl der verwertbaren Daten sichtbar, andererseits zeigt sich eine klare
Ausbreitungstendenz von Süden nach Norden.
Fig.
3: Interpolation of the oldest 14C-samples of Bell Beakers from
a reliable context and of short-lived sample material. The method uses the
Delaunay triangulation. On the one hand the very small number of useful
data is apparent, on the other hand a distribution trend from southern to
northern areas is underlined.
© Johannes Müller
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Abb. 4:
Auch die
Interpolation aufgrund des IDW, in der ein gleitender Durchschnitt aus
allen vorhandenen 14C-Daten gebildet wird, zeigt die in Abb. 2
festgestellte Tendenz einer Süd-Nord-Ausbreitung für Glockenbecher. Darüber
hinaus werden allerdings auch die Probleme der Interpolation deutlich: In
Arealen ohne 14C-Daten kalkuliert der Algorithmus fiktive Werte
(z.B. Zentralspanien).
Mittleres Alter (calBC)

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Fig.
4: The
interpolation of the IDW which uses a moving average of all 14C-data
displays a similar south-north tendency of the Bell Beaker distribution as
in fig. 3. Furthermore, some interpolation problems are obvious: in areas
without 14C-data the algorithm calculates fictive data (e.g.
Central Spain).
© Johannes Müller
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4. Fallstudie 2: 14C-datierte Schnurkeramik im
Mittelelbe-Saale-Gebiet
Fragestellung und Datenbasis
Im Rahmen eines Datierungsprojektes konnten 34 Daten aus
kurzlebigem Probenmaterial gewonnen werden, zu der noch eine weitere Probe
hinzukommt (Müller 1999). Tatsächlich ergab sich eine recht lange
"Lebensdauer" der Schnurkeramik in Mitteldeutschland, die die Frage
nach regionalen Unterschieden in der zeitlichen Belegung von Teilregionen nahe
legt. Die Beantwortung einer solchen Frage fällt natürlich mit 14C-Daten
schwer, kann aber nicht anders gelöst werden. Daher wurde folgender Weg beschritten:
- Ein IDW wurde für alle vorliegenden Daten durchgeführt,
um den durchschnittlichen Belegungsschwerpunkt zu festzustellen (Abb. 5).
- Das Mittelelbe-Saale-Gebiet wurde - angelehnt allerdings an
die räumliche Verteilung der 14C-Daten - in Teilregionen
unterteilt und für diese Teilregionen eine Triangulation einerseits der
ältesten Daten pro Teilregion (Abb. 6), andererseits der jüngsten Daten
pro Teilregion durchgeführt (Abb. 7).
- Für die Teilregionen wurden die ältesten und jüngsten
Daten in einer thematischen Karte zur Kontrolle vorgelegt.
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Abb. 5:
Interpolation
der 14C-Daten für die Schnurkeramik des Mittelelbe-Saale-Gebietes mit Hilfe des IDW. Die geringe Höhe des mittleren Alters im westlichen
Nordharzvorland und der Altmark ist sicherlich auf die geringe Datenmenge
zurückzuführen, während der Unterschied zwischen einigen thüringischen
Gebieten und denen am unteren Saalelauf offensichtlich ist.
Mittleres Alter (calBC)
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Fig.
5: Interpolation of 14C-data of the Corded Ware in the Central
Elbe-Saale-region with the help of the IDW. The low average of the ages in
the western Nordharzvorland and the Altmark probably results from the
small sample size, while obviously the disparity in age between Thuringia
and the lower Saale displays real age differences.
© Johannes Müller
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Abb. 6:
Interpolation
der jüngsten 14C-Daten für die eingezeichneten Regionen im
Mittelelbe-Saale-Gebiet. Die gegenüber anderen Kleinregionen längere
Dauer der Schnurkeramik im Thüringischen wird deutlich.
Jüngste Datierung (calBC)
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Fig.
6: Interpolation of the youngest 14C-data of the areas which
are marked in the Central Elbe-Saale-region. The longer duration of Corded
Ware in Thuringia is visible.
© Johannes Müller
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Abb. 7:
Interpolation
der ältesten 14C-Daten für die eingezeichneten Regionen im
Mittelelbe-Saale-Gebiet. Die Unterschiede sind im Gegensatz zu Abb. 6
sicherlich auf unterschiedliche Datenmengen zurückzuführen.
Älteste Datierung (calBC)
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Fig.
7: Interpolation of the oldest 14C-data of the areas which are marked in the Central Elbe-Saale region. In contrast to
the results depicted in fig. 6 the differences are probably a result of
the small sample size.
© Johannes Müller
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Ergebnisse und Konsequenzen
Tatsächlich können wir erhebliche Belegungsunterschiede
feststellen. Im IDW wird deutlich, daß der zeitliche Verteilungsschwerpunkt der
Schnurkeramik im Unteren Saalegebiet und Köthener Land wesentlich früher liegt
als im Thüringischen. Dagegen weist die Karte der ältesten Daten darauf hin,
daß in allen Regionen mit einem gleichzeitigen Einsetzen der Schnurkeramik zu
rechnen ist. Doch beweisen die jüngsten Daten, daß zumindest im Thüringischen
Raum ein Nachleben der Schnurkeramik gegenüber dem übrigen Gebiet
wahrscheinlich bleibt.
5. Gesamtbewertung
Erst die Interpolation von 14C-Verteilungen in der
räumlichen Perspektive, wie dies mit verschiedenen GIS-Programmpaketen recht
einfach möglich ist, öffnet den Weg zur graphischen Präsentation von
Ausbreitungsrichtungen prähistorischer Phänomene oder der Darstellung von
Zeitunterschieden auf kleinregionalem Niveau. Obwohl aufgrund der Datenstruktur
auch hier unterschiedliche Interpretationsoptionen möglich sind, konnten bei
den beiden Fallstudien jeweils eine Interpretation als wahrscheinliches Modell
vorgelegt werden:
- die Ausbreitung der Glockenbecherkeramik aus dem südlichen
Europa nach Norden und Nordosten.
- eine längere Dauer der thüringischen
Schnurkeramik als in anderen Kleinregionen des Mittelelbe-Saale-Gebietes.
Literatur
Bartelme, Norbert:
Geoinformatik: Modelle, Strukturen, Funktionen. Berlin, Heidelberg, New York
1995.
Bill, Ralf:
Grundlagen der Geo-Informationssysteme, Band 2: Analysen, Anwendungen und
Entwicklungen. Heidelberg 1999.
Burrough, Peter A. / McDonnell, Rachael A.:
Principles of Geographical Information Systems. Oxford 1998.
Müller, Johannes:
Zur absoluten Chronologie der mitteldeutschen Schnurkeramik.
Archäologisches Nachrichtenblatt 4, 1999, 77-88.
Müller, Johannes / van Willigen, Samuel:
New radiocarbon evidence for european Bell Beakers and the consequences for
the diffusion of the Bell Beaker Phenomenon. In: Franco Nicolis (Hrsg.), Bell
Beakers Today. International Colloquium Riva del Garda (Trento, Italy)
11-16.5.1998. Trento, im Druck.
Weninger, Bernhard:
Studien zur dendrochronologischen Kalibration von archäologischen 14C-Daten.
Universitätsforschungen zur Prähistorischen Archäologe 43. Bonn 1997.
Anhang: 14C-Datenliste
Glockenbecher:
Die Datenliste erscheint in Müller / van Willigen im Druck.
Schnurkeramik:
datalist.zip (9 KB; Format: MS-Excel 95-2000).
© Johannes Müller 2000
Dr. Johannes Müller
Freie Universität Berlin
Seminar für Ur- und Frühgeschichte
Altensteinstrasse 15
D-14195 Berlin
freemd@t-online.de
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