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Pfeilköpfe der Trichterbecherzeit
- Typologie und Funktionalität
www.jungsteinsite.de - Artikel
vom 27. Juni 2000
Christoph Rinne
Die unterschiedlichen
Pfeilbewehrungssysteme der Trichterbecherkultur einerseits und der weiter südlich
gelegen Kulturgruppen andererseits sind bereits mehrfach in der Forschung
Gegenstand von Deutungsversuchen gewesen. Die vorliegende Analyse nähert sich
dem Problem auf technologisch-metrischer Basis.
Arrowheads
of the TRB period - typology and function
The types of arrowheads used in the Funnel Beaker Culture on the one hand (trapezoidal
or transverse) and those of contemporary cultures further south (triangular arrowheads) on the other
hand have been dealt with by various authors down the years. The distinct
differences were ascribed to special functions (hunting, warfare) and cultural
traditions (boundaries between tribes). Christoph Rinne takes a more basic point
of view, examining the technological features of both types of projectiles.
Einleitung
Die nachfolgend sehr gerafft vorgestellten Ergebnisse gehen von der
Untersuchung zweier umfangreicher Geschoßensemble aus (66 Pfeilspitzen u.
Querschneider aus den jungneolithischen Kollektivgräbern Großenrode II u.
Odagsen I, Ldkr. Northeim) und berühren ein allgemein bekanntes Dilemma der
Typologie: Wo liegt die Grenze zwischen Typ A und B? Bei eingehender Betrachtung
der Materie wird leider oft deutlich, daß archäologische Typen nicht unbedingt
natürlichen Klassen entsprechen (kritisch u.a. Ihm 1978, 310ff.; Stehli/Zimmermann
1980; Winiger 1991, 82; 98). Es sei gleich vorangestellt: Typologische Aussagen
werden nachfolgend nicht getroffen, sondern es werden zwei unterschiedliche, in
hohem Maß funktionale Pfeil-Bogen-Systeme beschrieben.
Pfeilspitzen versus Querschneider
Für die Untersuchung wurden 2415 Geschosse von 234 Fundstellen zwischen Main
und dänischer Grenze erfaßt. Ausschlaggebend für die Erfassung war der Zugang
durch die Literatur. Aufgrund des unterschiedlichen Publikationsstandes konnten
nicht alle Daten für die Projektile erhoben werden. Es wurden 378 Pfeilspitzen
vermessen und davon 200 zusätzlich gewogen; von 741 vermessenen Querschneidern
wurden 93 gewogen. Die Vermessung erfolgte durch die Erfassung der Koordinaten
definierter Punkte (Abb. 1; vgl. Zimmermann 1977; Stehli/Zimmermann 1980). Die
Geschosse entstammen überwiegend trichterbecherzeitlichen Befunden, es wurden
jedoch auch einige endneolithische und frühbronzezeitliche Pfeilspitzen (n=33)
aufgenommen, meist von Nachbestattungen in Megalithgräbern.
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Abb. 1:
Aufnahmeschema für die metrische Erfassung anhand definierter Punkte.
Fig.
1: Points of measurement for triangular and transverse (on the extreme
right) arrowheads.
© Christoph Rinne |
Querschneider und Pfeilspitzen sind in der maximalen Breite erstaunlich
ähnlich (Abb. 2). Als Ursache sind hier wohl funktionale Zwänge anzuführen.
Erstaunlicherweise erfüllt die Verteilung der Querschneiderbreiten den
Kolmogoroff-Smirnoff-Test auf Normalverteilung (K-S-Test) nicht einmal auf dem
1%-Niveau. Ursachen sind eventuell die hohe Normierung der Maße auf den
Mittelwert (kurtosis: 4,4) und eine deutliche Schiefe durch einige sehr breite
Ausreißer (skewness: 0,92). Da es sich um eine deutlich normierte unimodale
Verteilung handelt, sollen dennoch der Mittelwert von 15,4 mm und die
Standardabweichung von 3,2 mm zur Beschreibung genannt werden.
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Mittelwert (mm) |
Standardabweichung |
K-S-Test |
|
Querschneiderbreite |
15,4 |
3,2 |
0,000 |
|
Querschneiderlänge |
19,5 |
4,4 |
0,000 |
|
Pfeilspitzenbreite |
16,3 |
3,8 |
0,125 |
|
Pfeilspitzenlänge |
30,5 |
8,2 |
0,231 |
Abb. 2:
Statistische Daten für Basismaße (mm) der Querschneider
(n=741), Pfeilspitzen (n=356).
Fig. 2: Basic measures of
transverse (n=741) and triangular (n=356) arrowheads (width, length).
Die maximale Geschoßlänge verhält sich ähnlich. Für die Querschneider
ist eine deutliche Normierung auf den Mittelwert von 19,5 mm bei einer geringen
Standardabweichung von 4,4 mm zu verzeichnen; ein K-S-Test auf
Normalverteilung erreicht kein signifikantes Niveau. Für die Pfeilspitzen liegt
eine Normalverteilung mit einem Mittelwert von 30,5 mm und einer
Standardabweichung von 8,2 mm vor. Die Abmessungen für die Querschneider
entsprechen den Daten, die an dem Fundmaterial aus der Siedlung Hüde I am
Dümmer erhoben werden konnten (Stapel 1991, 51f. Abb. 9, 10. Der Fundplatz ist
hier nicht aufgenommen).
Ein Vergleich der maximalen Ausdehnung in der Transversalen des
ursprünglichen Halbfabrikats, also der maximalen Breite der Pfeilspitzen mit
der maximalen Länge der Querschneider, zeigt deutliche Mittelwertsunterschiede.
Dieser Unterschied wird durch einen t-Test nach Student als signifikant
bestätigt (Signifikanz 0,000 für identische Verteilungen). Ein eindeutiger
Nachweis für die Ursache dieses Unterschiedes kann nicht erfolgen. Es ist zu
vermuten, daß zum einen tatsächlich breitere Klingen und Abschläge für die
Herstellung von Querschneidern verwendet wurden, zum anderen könnte die
Differenz von 3,2 mm auch auf einen Verlust durch die Retusche der
Pfeilspitzen zurückzuführen sein. Die Daten für die Verteilungen der
unterschiedlich intensiv überarbeiteten Pfeilspitzen zeigen jedoch einen nur
leichten Trend in umgekehrte Richtung; flächig retuschierte Pfeilspitzen sind
tendenziell breiter
(Abb. 3).
| |
Mittelwert (mm) |
Standardabweichung |
Anzahl |
|
Vorarbeit |
16,3 |
3,9 |
8 |
|
Einseitige Kantenretusche |
16,2 |
4,0 |
87 |
|
Beidseitige Kantenretusche |
16,5 |
3,9 |
135 |
|
Einseitige Flächenretusche |
16,6 |
3,4 |
44 |
|
Beidseitige Flächenretusche |
17,5 |
2,8 |
32 |
Abb. 3:
Mittlere Basisbreite unterschiedlich stark retuschierter
Pfeilspitzen.
Fig. 3: Width of base (mean)
of differently retouched triangular arrowheads.
Die Retusche der Pfeilspitzen sollte demnach nicht als Erklärung für die
signifikante Differenz in der Transversalen des Halbfabrikats angeführt werden.
Klingen und Abschläge für die Querschneiderproduktion könnten tatsächlich
eine größere Breite besessen haben als diejenigen, aus denen Pfeilspitzen
gefertigt wurden. Ob hier die Versorgung mit qualitätvollem Rohstoff eine Rolle
spielt oder tatsächlich nur die funktional begrenzte Breite der angestrebten
Pfeilspitze als Ursache zu sehen ist, müßte über einen Vergleich mit
Klingenbreiten zu erschließen sein. In diesem Zusammenhang kann auf Daten aus
dem Rheinland verwiesen werden, wo im jüngeren Neolithikum Klingen von über 20
mm Breite deutlich überwiegen und somit eine Querschneiderproduktion durchaus
möglich gewesen wäre (Fiedler 1979, 76). Vergleichbare Klingenbreiten liegen
auch aus dem Erdwerk von Salzkotten-Oberntudorf vor, wobei ein deutlicher
Anstieg des Mittelwerts von unmodifizierten zu modifizierten Klingen zu
verzeichnen ist (14,9 mm, 19,5 mm; Langenbrink 1998, 167f., Tab. 14c, d). Obwohl
also Klingen zur Querschneiderproduktion zur Verfügung gestanden haben, stammen
aus dem Erdwerk ausschließlich Pfeilspitzen. Somit ist festzustellen, daß ein
offensichtlicher Widerspruch zwischen Rohstoffversorgung und Produktivität
vorliegt. Während im norddeutschen Flachland bei guter Rohstofflage sehr
effizient mehrere Projektile aus einer Klinge hergestellt wurden, entsteht
südlich der Mittelgebirgsschwelle aus einem Halbfabrikat jeweils nur eine
Pfeilspitze. Tatsächlich scheint es zu einfach, die Frage Querschneider versus
Pfeilspitze alleine auf die Güte des Rohstoffes zu reduzieren, da die
Komplexität der Bogenwaffe darüber hinaus vielfältige Erklärungsmodelle
zuläßt.
Pfeilspitzen und Querschneider treten in großen und kleinen Varianten auf;
das Verhältnis von maximaler Breite zu maximaler Länge zeigt jedoch nur eine
sehr schwache Korrelation (Pfeilspitzen r=0,218; Querschneider r=0,251; vgl. Ihm
1978, 259f.). Vielmehr scheint die überwiegende Zahl der Objekte eine
Breite von 10 bis 20 mm zu besitzen, die unabhängig von der Geschoßlänge ist.
In Konsequenz hieraus ist eine Normierung der Breitenmaße an der maximalen
Länge der Geschosse abzulehnen.
Ein allgemeiner Vergleich zwischen Pfeilspitzen und Querschneidern gibt
weitere Hinweise auf die Gestalt der jungneolithischen Bogenwaffe. Die mittlere
Stielbreite von Pfeilspitzen - der Mittelwert aus der Breite zwischen Punkt 4
und 7 sowie Punkt 5 und 6 (vgl. Abb. 1) - und die Basisbreite der Querschneider
entsprechen sich mit Werten von 5 bis 10 mm auffallend (Abb. 4). Der deutliche
Rückgang in der Basisbreite der Querschneider bei 11 mm weist auf einen
entsprechend mittleren Pfeilschaftdurchmesser von 8, maximal jedoch 11 mm hin.
Hier findet sich eine schöne Entsprechung zu einem der beiden schußbereiten
Pfeile der Mumie vom Hauslabjoch in den Ötztaler Alpen, dessen Durchmesser mit
9 mm, im Spitzenbereich mit 11 mm angegeben ist (Spindler 1993, 142f.; zur
Datierung Bonani et al. 1994).
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Abb. 4:
Vergleich der mittleren Schaftbreite gestielter
Pfeilspitzen (n=41) mit der Basisbreite von Querschneidern (n=741).
Fig. 4: Width of
tang (triangular arrowheads, n=41) compared to width of base (transverse
arrowheads, n=741).
© Christoph Rinne
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Die Suche nach Grenzen
Nachfolgend soll versucht werden, einzelne
Pfeilspitzentypen metrisch zu beschreiben und nach Möglichkeit gegeneinander
abzugrenzen. Die Unterteilung von Pfeilspitzen anhand der Basisgestaltung in
konkave, geradlinige und konvexe ist allgemeiner Konsens. Die Tiefe des Einzugs
wird bei der gewählten metrischen Erfassung durch die y-Koordinate des Punktes
4 angegeben und kann an 286 Projektilen bestimmt werden. Verteilungsdiagramme
von Konkavität zu maximaler Pfeilspitzenlänge oder -breite zeigen, daß keine
lineare Korrelation vorliegt (Länge: r=0,03, Sig.: 0,73; Breite: r=0,11, Sig.:
0,19; vgl. Ihm 1978, 259f., 275f.), die Maße sollten also ohne Normierung auf
die absolute Größe betrachtet werden.
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Abb. 5:
Einzug bzw. Wölbung der Basis triangulärer
Pfeilspitzen (n=286).
Fig. 5: Deviation
values (from a straight base line; cf. fig. 1) for concave and convex
bases of triangular arrowheads (n=286).
© Christoph Rinne
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Ein Häufigkeitsdiagramm des Einzugs mit einer
Auflösung von 0,5 mm zeigt Maxima bei -1,5, 0, 1 bis 2 und 3 mm (Abb. 5). Es
fällt jedoch auf, daß im Diagramm die Werte auf 0,5 mm in 7 Fällen niedriger
und nur in zwei Fällen höher als die benachbarten ganzen Mittelwerte liegen.
Da bei zahlreichen Nachträgen die Koordinaten für Pfeilspitzen mit Hilfe einer
Millimeterfolie erhoben wurden, scheint eine unbewußte Rundung auf ganze Werte
vorzuliegen. Eine Berechnung der empirischen Dichte führt zu einer deutlichen
Glättung und einem kontinuierlichen Übergang von konkaven zu konvexen Formen
(s. Anmerkung). Die Begriffe konkav, gerade und konvex können demnach nur die
Gestaltung der Basis beschreiben, im Gegensatz zum Fundmaterial aus der
Seeufersiedlung von Twann scheint jedoch kein differenzierendes, typbildendes
Maß vorzuliegen (vgl. Uerpmann 1976, 136f.). Auch der Grad der Konkavität
scheint bei den untersuchten Pfeilspitzen nicht typbildend (vgl. Groemer 1995,
26). Wird der Basiseinzug getrennt nach der Lage des Bulbus betrachtet, zeigt
sich, daß Pfeilspitzen mit dem Bulbus an der Basis deutlich häufiger einen
Einzug von über 2 mm aufweisen (Abb. 6). Hier scheint ein Zusammenhang
möglich, da eine verstärkte Retusche des Bulbus auch Material von der Basis
abträgt. Eindeutig geflügelte Pfeilspitzen, wie sie im Endneolithikum und der
frühen Bronzezeit auftreten, sind von diesen leicht konkaven Formen zu trennen.
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Abb. 6:
Basiseinzug an Pfeilspitzen je nach Lage des Bulbus an
der Basis (n=78) oder der Spitze (n=46).
Fig. 6: Deviation
values for triangular arrowhead bases (cf. fig. 5) in relation to the
position of the bulb at the base or point.
© Christoph Rinne
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Bei gestielten Pfeilspitzen wird bisweilen auch
zwischen solchen mit Schaftzunge und -stiel unterschieden. Dies läßt sich
einleuchtend mit zwei unterschiedlichen Schäftungsarten - eingezapft oder in
eine Nut eingesetzt - erklären. Die Häufigkeitsverteilung der 41 bestimmbaren
Schaftbreiten - Mittelwert der Abstände zwischen Punkt 4 und Punkt 7 sowie
Punkt 5 und Punkt 6 (vgl. Abb. 1) - zeigt eine deutliche Normalverteilung
(Mittelwert: 7,3, Standardabweichung: 1,8, K-S-Test: 0,499; vgl. Abb. 4). Für
die an der maximalen Pfeilspitzenbreite normierten Stielbreiten ist die
Verteilung noch stärker an einer Normalverteilung orientiert (K-S-Test: 0,988).
Die Verteilung der Stielbreiten läßt demnach keine unterscheidbaren
natürlichen Klassen erkennen. Der in der Abb. 4 bei 7 mm erkennbare Einschnitt
ist vermutlich auf die geringe Stichprobengröße zurückzuführen.
Für die Querschneider, die in ihren Abmessungen
sehr uniform wirken, soll nur das Verhältnis von Basisbreite zu Schneidenbreite
betrachtet werden. Bei rechteckigen Formen sollte der Index nahe 1 liegen, bei
trapezförmigen um 0,5 und bei dreieckigen nahe 0. Die Häufigkeitsverteilung
des Index zeigt eine Normalverteilung mit einem Mittelwert von 0,519 und einer
Standardabweichung von 0,179 (K-S Test: 0,854). Demnach sind trianguläre und
rechteckige Querschneider nicht als eigenständige Typen, sondern lediglich als
Extrema der trapezförmigen Querschneider zu betrachten. Dies wird durch deren
weite Verbreitung im gesamten norddeutschen Flachland gestützt. Trianguläre
Querschneider stammen u.a. aus Alt Duvenstedt (Hingst 1985, Taf. 4,10), Dreetz
(Kirsch/Plate 1983, 17, Abb. 7,19.4), Emmeln (Schlicht 1968, Abb. 970ff.), Groß
Berßen 7 (Schlicht 1972, Taf. 1), Oldendorf (Laux 1991, 31, Abb. 3,33),
Ostenwalde I (Tempel 1978, 23f., Abb. 7, 8), Pevestorf (Meyer 1993, Taf. 9,C7)
und Tangermünde (Preuß 1954, Taf. 27,1). Annähernd rechteckige Querschneider
sind gleichermaßen verbreitet und finden sich in denselben, sehr umfangreichen
Inventaren der genannten Megalithgräber und Gräberfelder.
Da bei diesen überwiegend an formalen
Erscheinungsmerkmalen orientierten Typen keine eindeutigen Klassengrenzen
erkennbar sind, wird das Gewicht, ein zweifelsfrei funktional bestimmtes
Merkmal, noch untersucht. Da aufgrund der unruhigen Datenstruktur eine
Darstellung der Rohdaten in einem Histogramm nicht angemessen erscheint, wird
die empirische Dichte berechnet (vgl. Anmerkung). Die Verteilungen der
Geschoßgewichte zeigen für Pfeilspitzen und Querschneider jeweils an der
Untergrenze einen sehr steilen Kurvenverlauf und streuen zur rechten Seite
deutlich zu den großen Werten (Abb. 7, 8).
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Abb. 7:
Empirische Dichte des Pfeilspitzengewichts (g).
Normalkern, Kernweite 0,2, 100 Schritte.
Fig. 7: Weight of
triangular arrowheads (empirical density).
© Christoph Rinne
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Abb. 8:
Empirische Dichte des Querschneidergewichts (g).
Normalkern, Kernweite 0,2, 100 Schritte.
Fig. 8: Weight of
transverse arrowheads (empirical density).
© Christoph Rinne
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Hierbei scheinen die Querschneider
wesentlich stärker auf ein Standardgewicht normiert, da die Anzahl der
Ausreißer deutlich geringer ist. Querschneider weisen mehrheitlich ein Gewicht
von 0,5 bis 1,5 g auf, während die Pfeilspitzen überwiegend zwischen 0,5 und
3,8 g wiegen. Die Häufigkeitsverteilung der Pfeilspitzengewichte zeigt einen
leichten Einschnitt bei 2,1 g und einen etwas deutlicher ausgeprägten bei 2,8
g. Hier deutet sich eine mögliche Trennung in unterschiedliche Gewichtsgruppen
von £2, 2,1 bis 2,7, 2,8
bis 3,9 und 4 bis 5,5 g an. Es wurde vermuten, daß die großen Gewichtsgruppen
überwiegend von den Pfeilspitzen gebildet werden, die über das Blatt hinaus
noch zusätzliche Schäftungsvorrichtungen besitzen. Die Verteilung der
Pfeilspitzentypen bestätigt dies jedoch nicht (Abb. 9), wobei die Aussage wegen
der geringen Stückzahl bei den Pfeilspitzen mit Schäftungsvorrichtung relativ
unsicher ist. Grundsätzlich scheint es jedoch von allen Typen leichte und
schwere Ausführungen zu geben; soweit scheint das Gewicht zumindest unabhängig
vom Pfeilspitzentyp. Die Bestückung von Pfeilen mit Spitzen von bis zu 7 g mag
technisch möglich sein (Korfmann 1972, 34ff., 37), für die neolithischen
Exemplare bietet sich jedoch an, eine Obergrenze bei maximal 5,5 g zu ziehen.
Bei Querschneidern kann die Obergrenze sogar bei 2,0 g festgelegt werden.
| |
bis 2 g |
2,1-2,7 g |
2,8-3,9 g |
4-5,5 g |
S |
% |
|
allg. Dreieckig |
5 |
1 |
|
|
6 |
3,1 |
|
gerade Basis |
28 |
10 |
14 |
11 |
63 |
32,6 |
|
Konkave Basis |
53 |
11 |
16 |
6 |
86 |
44,6 |
|
Konvexe Basis |
3 |
1 |
3 |
1 |
8 |
4,1 |
|
Rhombisch |
1 |
|
|
|
1 |
0,5 |
|
Schäftungskerben |
2 |
1 |
|
|
3 |
1,6 |
|
Gestielt |
10 |
3 |
3 |
1 |
17 |
8,8 |
|
Langoval |
|
2 |
2 |
1 |
5 |
2,6 |
|
Amorph |
3 |
|
|
1 |
4 |
2,1 |
|
S |
105 |
29 |
38 |
21 |
193 |
|
|
% |
54,4 |
15,0 |
19,7 |
10,9 |
|
100 |
Abb. 9:
Die Verteilung unterschiedlicher Pfeilspitzentypen auf
unterschiedliche Gewichtsbereiche.
Fig. 9: Distribution of
different arrowhead types over different weight classes.
Fazit
Querschneider weisen in Abmessungen und Gewicht eine hohe Normierung auf, die
Folge der sehr effizienten Produktionsweise ist. Die aus dem Herstellungsprozeß
heraus variabel zu gestaltende Breite weist dabei gleichzeitig eine hohe
Standardisierung auf 12 bis 19 mm auf, eine maximale Breite, die sich auch bei
den Pfeilspitzen wiederfindet. Bei der Breite scheinen demnach funktionale
Zwänge gleichermaßen Pfeilspitzen und Querschneider zu beeinflussen
(vermutlich in Zusammenhang mit der Durchschlagskraft). Die Entscheidung
Querschneider versus Pfeilspitze ist nicht auf die Güte des verfügbaren
Rohmaterials, bzw. die Breite der herstellbaren Klingen als Halbfabrikate für
die Geschosse zu reduzieren. Vielmehr scheint hier ein grundsätzlich
unterschiedliches Pfeilsystem vorzuliegen, was durch die deutlich
unterschiedlichen Gewichte noch unterstrichen wird. Aus funktionaler Sicht kann
an eine unterschiedliche Jagdfauna gedacht werden, wobei die Verbindung zwischen
kleinen, bzw. leichten Querschneidern und kleinen Tieren als Jagdobjekte nach
archäologischen Funden irrig ist (Noe-Nygaard 1974). Vielmehr töten
Querschneider durch breite, stark blutende Wunden, Pfeilspitzen , eventuell
zudem vergiftet, durch das tiefe Eindringen in lebenswichtige Organe (vgl.
Friis-Hansen 1990, 494ff.). Wir fassen hier zwei unterschiedliche Jagdmethoden,
wobei die nördliche auf eine lange Tradition aus dem Mesolithikum zurückgeht.
Innerhalb der Pfeilspitzengewichte deutet sich eine leichte Gruppierung an,
deren Unterschiede jedoch so minimal sind, daß in Verbindung mit
Schäftungsmaterial - Bindung und Pech - kaum Signifikanz zu erwarten ist. Der
allgemein verbreiteten Typenbildung anhand der Pfeilspitzenbasis kommt nur
deskriptiver Charakter zu, eine klare Gliederung des Materials in natürliche
Klassen ist nicht zu erkennen.
Abschließend kann nur darauf hingewiesen werden, daß einzelne, metrisch
kaum faßbare Merkmale bisweilen regionale Besonderheiten zu sein scheinen. Es
sind dies Pfeilspitzen mit Schäftungskerben, die in den Siedlungen der
Wartbergkultur auf dem Hasenberg bei Lohne und dem Güntersberg bei Gudensberg
sowie im Kollektivgrab von Großenrode II auftreten (Schwellnus 1979, Taf.
17,14; 15; 29,21; Heege 1992, 64, Taf. 11,4). Hinzu kommen Pfeilspitzen mit
auffallend breiter Spitze, die neben den bereits genannten Siedlungen der
Wartbergkultur auch in der Siedlung auf dem Burgerroth und im Galeriegrab Calden
I auftreten (Schwellnus 1979, Taf. 17,14-16; 27,5.6; Spennemann 1984, Taf.
1,4.7; Schrickel 1966, Taf. 28,29). Von den insgesamt 10 Exemplaren stammen zwei
von der Bernburger Siedlung Bornhög bei Nägelstedt (Bücke 1986, 75, Abb.
10,8.11), und weisen hier wohl auf die seit langem diskutierten Verbindungen
zwischen der Bernburger Kultur und Wartbergkultur hin (Walther 1986).
Anmerkung:
Die Empirische Dichte wurde mit dem Programm EDF Ver. 1.0 (Okt. 1993) von
Herrn Prof. Dr. Frank Siegmund (Basel) berechnet. Zur Berechnung der empirischen
Dichte werden innerhalb des Wertebereiches der Beobachtungen in gleichmäßigen
Abständen (Schritte) Punkte festgelegt und nachfolgend die Beobachtungswerte in
einer vorab bestimmten Kernweite (Fenster) um die einzelnen Punkte betrachtet.
Die Schrittweite und vor allem die Kernweite beeinflussen den Verlauf des
resultierenden Polygonzuges; große Weiten führen zu einer deutlichen
Glättung. Für die Beurteilung der Verteilung der Beobachtungswerte in der
jeweiligen Kernweite werden unterschiedliche Gewichtsfunktionen verwendet, die
ebenfalls den resultierenden Polygonzug beeinflussen (Hartung 1993, 840ff.,
Abb. 8). Der Polygonzug der empirischen Dichte dient, wie das Histogramm, der
Visualisierung der Daten.
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Zimmermann, Andreas:
Die bandkeramischen Pfeilspitzen aus den
Grabungen im Merzbachtal. Rheinische Ausgrabungen 8. Bonn 1977.
© Christoph Rinne 2000
Dr. phil. (des.) Christoph Rinne M.A.
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