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Dirk Raetzel-Fabian:
Die archäologischen Ausgrabungen bei Calden
1988-1992.
Vom Befund zur Interpretation.
In: Jahrbuch 1993 Landkreis Kassel, 7-14.
Text ohne Abbildungen

Das Projekt Calden zwischen 1988 und 1992
Seit 1988 führt die Abteilung Vor- und Frühgeschichte der Staatlichen Museen
Kassel (Hessisches Landesmuseum) jährlich umfangreiche archäologische Ausgrabungen
südlich des Flugplatzes bei Calden durch. Sie gelten in erster Linie einer 1976
entdeckten jungsteinzeitlichen Befestigungsanlage, die berechtigte Hoffnungen weckt,
einzigartige Informationen zur gesellschaftlichen und räumlichen Organisation
frühbäuerlicher Gemeinschaften im 4. Jahrtausend v. Chr. zu liefern. 1990 kam ein
zeitgleiches Großsteingrab sowie ein eisenzeitliches Brandgräberfeld mit dem Grundriß
eines kleinen Zeremonialgebäudes hinzu, das zweieinhalb Jahrtausende später im Bereich
der Befestigung angelegt worden war.
Bereits die Voruntersuchungen der Jahre 1988/ 89 (siehe Jahrbuch des Landkreises Kassel
1990, 131-135) erbrachten äußerst vielversprechende Ergebnisse, so daß die Arbeiten der
folgenden Jahre durch die Aufnahme eines speziellen Titels im hessischen Landeshaushalt
gesichert wurden - ein Umstand, der die besondere Bedeutung der Anlage unterstreicht (1).
Mit dem Abschluß der Außenuntersuchungen im Herbst 1992 werden 14 repräsentativ
ausgewählte Flächen mit insgesamt ca. 7.000 m² durch Grabung und weitere 22.000 m²
durch geophysikalische Prospektionsmethoden (Magnetometermessungen) untersucht sein (2).
Das Erdwerk
Die jungsteinzeitliche Befestigungsanlage, ein sogenanntes Erdwerk, bestand aus
einem ausgedehnten Doppelgrabensystem mit einer Wallanschüttung zwischen den beiden
Gräben, die 1991 zweifelsfrei nachgewiesen werden konnte. Hinter dem inneren Wall verlief
auf gesamter Grabenlänge eine doppelte Palisade. Architektonische Details lassen
vermuten, daß sie die Grundkonstruktion für eine Holz-Erde-Mauer bildete. Die
Gesamtanlage nimmt eine Fläche von 140.000 m² ein; allein 20.000 m² davon entfallen auf
den Befestigungsgürtel. Die Befunde selbst haben sich nicht im Boden, wohl aber im wenige
Dezimeter darunter anstehenden Muschelkalk erhalten. Sowohl Gräben als auch die
Fundamentgräben z.B. der Palisade zeichnen sich darin im günstigen Fall als scharf
umrissene Eintiefungen ab, die die Beobachtung zahlreicher konstruktiver Details
ermöglichen.
Der Verlauf des Doppelgrabens ist an verschiedenen Stellen für jeweils ca. 10 m
unterbrochen. Eine der bisher wohl größten Überraschungen der Grabung ist die ehemalige
Existenz von komplizierten Einbauten in diesen Unterbrechungen, die den Zugang ins Innere
der Anlage versperren. Sie waren, wie auch die Palisaden, aus senkrecht aufgehenden
Baumstämmen (meist Eiche) konstruiert.
Sechs von insgesamt sieben Unterbrechungen sind bereits untersucht worden, die siebte
bleibt aufgrund ungünstiger Bodenverhältnisse von den Untersuchungen ausgeschlossen. In
allen Fällen handelt es sich bei den festgestellten Einbauten um z.T. bastionsartige
Gebäude, die den Zugang zum Erdwerk entweder sperrten oder aber reglementierten.
Außergewöhnlich ist ihr sehr einheitlicher und komplexen Grundriß, der ohne Frage einem
zuvor festgelegten Bauplan folgt. Die eigentliche Toranlage lag - dies legen die neuesten
Untersuchungen im Herbst 1992 nahe - im Norden innerhalb der Unterbrechung 1.
Die Kompliziertheit und das einheitliche "Layout" der festgestellten
Einbauten ist ein für die mitteleuropäische Jungsteinzeit einzigartiger Befund, der
zweifelsfrei einen außergewöhnlich hohen Grad von Planmäßigkeit bei der Errichtung
zumindest dieses Erdwerks belegt und in vieler Hinsicht zur Korrektur unserer
Vorstellungen über die gesellschaftliche Organisation jener Zeit beiträgt.
Ein neuentdecktes Großsteingrab
Bereits in einer Frühphase der Untersuchung fiel unsere Aufmerksamkeit auf einen
Befund, der nur ca. 100 m südlich der Befestigungsanlage lag und bereits im April 1969 -
sieben Jahre vor Entdeckung des Erdwerks - beim Verlegen einer Wasserleitung angeschnitten
und zum Teil zerstört worden war. Seinerzeit waren größere Quarzitblöcke und
menschliche Knochen zutage gekommen und als zerstörtes Hügelgrab der Bronzezeit gedeutet
worden (3). Im Zusammenhang mit der Entdeckung des Erdwerks schien jedoch auch eine
Neuinterpretation dieses Befundes möglich. Tatsächlich lieferte eine Probegrabung 1990
parallel zu den Arbeiten im Erdwerk den erhofften Nachweis eines Großsteingrabes - ein
sogenanntes Galeriegrab aus der Zeit des Erdwerks. Schon 1948 war etwa einen Kilometer
entfernt ein ähnliches Grab am Ortsrand von Calden untersucht worden. In Nordhessen
sollte dies die letzte Untersuchung eines solchen Objektes für die nächsten 42 Jahre
bleiben - bis zur Ausgrabung von "Calden 2". Von Juli 1991 bis Februar 1992
konnte der neuentdeckte Bestattungsplatz dann vollständig und sehr detailliert untersucht
werden.
Großsteingräber und ihre Geschichte
Galeriegräber gehören zur großen Gruppe der Ganggräber. Der gangförmige
Bestattungsraum hat eine Länge von 6 bis über 30 m, die Breite schwankt zwischen 2 und 4
m. Die Wände wurden aus großen Steinplatten gebildet, die niedrige Decke ebenfalls aus
Steinen oder, bei besonders breiten Kammern, auch aus Holzbalken. Der Zugang lag an einer
der Schmalseiten und wurde häufig durch einen Stein mit eingemeißelter Zugangsöffnung
gebildet. Die Gräber waren zur Zeit ihrer Nutzung leicht überhügelt und bildeten eine
sehr stabile künstliche Höhle, deren Boden unter dem ehemaligen Geländeniveau lag.
Ihrer Funktion nach sind es Kollektivgräber, also Gemeinschaftsgräber, die über mehrere
Jahrzehnte hinweg genutzt wurden. Das besterhaltene Grab dieses Typs in Nordhessen liegt
östlich von Züschen in der Gemarkung Fritzlar-Lohne.
Der Bau von Großsteingräbern (Megalithgräbern) ist in Mitteleuropa eine
typische Erscheinung der fortgeschrittenen Jungsteinzeit. In ihrem Entstehungsgebiet, der
Bretagne, steht diese Grabsitte jedoch am Beginn der Seßhaftwerdung im 5. Jahrtausend und
hat ihre Wurzeln bereits in den dortigen Jäger- und Sammlerkulturen. Im weiteren Verlauf
der Jungsteinzeit werden weite Teile Europas von ihr erfaßt, ohne daß sich jedoch eine
einheitliche "Megalithkultur" bildet. Je nach Zeit, Region und lokalen
Traditionen lassen sich zahlreiche Bautypen unterscheiden. In Mittel- und Nordeuropa
werden die ersten Großsteingräber ab der Mitte des 4. Jahrtausends bis zur Wende vom 4.
zum 3. Jahrtausend errichtet. Dann setzen sich unter dem Einfluß der schnurkeramischen
Kulturen völlig neue Bestattungssitten durch. Dennoch werden die dauerhaften
Großsteingräber bisweilen weiter genutzt - jedoch weniger im Sinne der ehemaligen
Erbauer und nun verbunden mit "Umbauten" und "Demontage".
Die hessischen Galeriegräber gehören zu einem Grabtyp, der einen ausgeprägt
westlichen Verbreitungsschwerpunkt hat. Vergleichbare Gräber sind vor allem aus
Nordfrankreich und der Bretagne bekannt. In Hessen erscheinen sie jedoch eingebunden in
den lokalen kulturellen Kontext der Wartbergkultur, die ihrerseits über die Keramik enge
Verbindungen nach Franken und Südwestdeutschland aufweist (4).
Das Galeriegrab Calden 2
Die Untersuchungen am neuentdeckten Caldener Grab begannen mit der Anlage eines
ca. 23 m langen Suchschnittes zur Wiederauffindung des 1969 angeschnittenen Befundes. Er
erfaßte den ehemaligen Eingangsbereich des Grabes sowie Teile des Grabraumes. Im Lauf der
Untersuchungen zeigte sich sehr schnell, daß der Originalbefund zahlreiche massive
Zerstörungen erlitten hatte. Insbesondere der Leitungsgraben verlief auf einer Breite von
bis zu 3 m diagonal durch die Anlage hindurch. Doch auch eisenzeitliche Keramik,
mittelalterliche Scherben und das Skelett einer möglicherweise geopferten Ziege oder
eines Schafes (5) im Bereich eines extrahierten Wandsteines zeugten von vielfältigen
Manipulationen bereits in historischer Zeit.
So trafen wir nur noch einen der ehemaligen Wandsteine als abgeschlagenen Stumpf in
seiner Originalposition an. Die übrigen Steine der Längswände waren entweder völlig
entfernt oder aber, in drei Fällen, in den Grabinnenraum gekippt worden. Auch die
Abschlußsteine der Schmalseiten sowie die Decksteine fehlten. Dennoch erbrachte die
Ausgrabung detaillierte Erkenntnisse zur Grabsteinkonstruktion. Die Ursache hierfür liegt
im geologischen Untergrund. Die Bodenmächtigkeit im Bereich des Grabes, das heute z.T.
unter einer Weide, z.T. unter Wald liegt, beträgt ca. 20-60 cm. Darunter steht, wie auch
im Bereich des Erdwerkes, Muschelkalk an, in den die Erbauer des Grabes die
Fundamentgräben für die Wandsteine wie auch die Grabsohle einarbeiteten. Stufen im Kalk,
die die unterschiedliche Höhe der Wandsteine ausglichen, sowie seitliche Ausbruchgruben,
die in späterer Zeit angelegt wurden, um die Steine aus ihrer Position zu hebeln,
erlauben die Rekonstruktion der Standplätze und damit einen sehr genauen Überblick über
die Zahl der für den Bau verwendeten Steine. Die drei eingekippten Wandsteine, die
glücklicherweise sowohl aus dem vorderen wie auch hinteren Teil des Grabes stammen,
ermöglichen überdies die exakte Ermittlung der lichten Höhe des Grabinnenraumes - ein
seltener Glücksfall. Damit ist trotz des extremen Zerstörungsgrades Grund- und Aufriß
des Grabes in wesentlichen Zügen bekannt.
Konstruktion
Die Außenmaße des nordost-südwestlich orientierten Grabes betragen 12 zu 3-3,5 m,
der Innenraum weist eine Fläche von ca. 9,5 zu 2-2,3 m auf. Die Dimensionen entsprechen
damit überraschend genau denen des Grabes 1 von 1948 am Ortsrand. Die Längswände
bestanden aus jeweils neun, nur grob zugerichteten Wandsteinen. Den südwestlichen
Abschluß der Grabkammer bildete, dem Fundamentgraben nach zu urteilen, eine ca. 1,5-2 m
breite Steinplatte. Unklar ist die Gestaltung des Eingangsbereiches im Nordosten. Da hier
eine Grube in den Kammerboden geschlagen wurde, um einen der Wandsteine zu versenken,
fehlen wichtige Informationen für die Rekonstruktion. Ein schmaler Kammerbodenrest im
äußersten Nordosten hat die Zerstörung jedoch überstanden und deutet an, daß in
diesem Bereich kein durchgehender Fundamentgraben vorhanden war. Eine massive
Lochsteinplatte wie etwa in Züschen fällt damit als Grabeingang aus. Die Grabsohle
selbst wurde bis zu einer Tiefe von 60 cm in den anstehenden Kalk eingearbeitet und lag
somit 1 bis 1,5 m unter dem jungsteinzeitlichen Geländeniveau. Ober die Zahl der
Decksteine können keine Aussagen gemacht werden. Ihre Anzahl wird die der Wandsteinpaare
- also 9 - jedoch nicht überschritten haben und eher darunter liegen. Da die Decke des
Grabes waagerecht verlief, der Hang und auch die Grabsohle jedoch nach Südwesten hin
anstiegen, verringerte sich die Höhe des Grabraumes von 1,5 m im Eingangsbereich auf 1,0
m im rückwärtigen Teil der Anlage - für das Bestatten von Verstorbenen zwischen den
verwesenden Resten älterer Leichname sicher keine angenehme "Arbeitshöhe". Die
Nutzungsfläche des Grabinnenraumes kann mit ca. 20 m² rekonstruiert werden. Außerhalb
des Grabes, vor allem in Verlängerung der Schmalseiten, stießen wir auf ein
unregelmäßiges Pflaster von Steinplatten, dessen ehemalige Funktion noch unklar ist.
Zur Herkunft des Baumaterials
Das Baumaterial des Grabes besteht durchweg aus Tertiärquarzit. Es handelt sich
hierbei um Denudationsreste des frühen Tertiärs, die aufgrund ihrer Härte als einzige
Zeugen einer ursprünglich geschlossenen Sedimentationsschicht über Muschelkalk und
Buntsandstein erhalten blieben. Quarzitvorkommen in Form von Findlingsblöcken und
Geröllen sind im Arbeitsgebiet im gesamten Raum zwischen Ahnatal, Hofgeismar, den
Schreckenbergen und Immenhausen belegt (6). Da sie seit historischer Zeit und vor allem
direkt nach dem Zweiten Weltkrieg intensiv abgebaut bzw. abgesammelt wurden, geben die
heute noch vorhandenen Reste nur bruchstückhaft Informationen über die ehemalige
Verbreitung und die im Neolithikum zur Verfügung stehenden Blockgrößen. Die Bildung von
Quarzit erfolgte im Grundwasserbereich unter lokal differierenden Bedingungen, die dazu
führen, daß das Erscheinungsbild von Quarzit selbst kleinräumig stark schwankt.
Entsprechend inhomogen ist auch das Material der noch erhaltenen Wandsteine des Grabes.
Ein Vergleich verschiedener Quarzitvorkommen im Arbeitsgebiet macht jedoch wahrscheinlich,
daß vor allem ein naheliegendes Quarzitvorkommen in wenigen Hundert Metern Entfernung
genutzt wurde, um den Transportaufwand möglichst gering zu halten.
Bestattungsreste und Beigaben
Trotz der großen Zerstörungen stießen wir im Südwestteil des Grabes auf einer
Fläche von 5 bis 6 m² auf noch relativ unversehrte Reste der ursprünglichen
Bestattungslage, z. T. sogar noch unter einem eingekippten Wandstein. Da Kollektivgräber
in der Regel über mehrere Jahrzehnte hinweg benutzt wurden, ist das Skelettmaterial
häufig auch ohne spätere Störungen allein durch das Einbringen neuer Leichname,
zeitgenössische "Aufräummaßnahmen" und Tieraktivitäten stark durcheinander
geworfen. Dementsprechend ermöglicht allein die akribische Aufzeichnung der Lage jedes
einzelnen Knochens und Artefaktes, wie sie in Calden durchgeführt wurde, eine
detaillierte archäologische und anthropologische Analyse des Materials im Anschluß an
die Außenuntersuchungen. Ausgehend von den geborgenen Schädeln und Schädelfragmenten
läßt sich die Gesamtzahl der im Grab Bestatteten - vorbehaltlich einer eingehenden, in
Arbeit befindlichen anthropologischen Analyse - vorsichtig auf 60 bis 130 Individuen
schätzen. Da erfreulicherweise trotz tiefgreifender Umlagerungsprozesse immer wieder
Knochen im ursprünglichen Verband auftraten, lassen sich auch zum Bestattungsritual
Aussagen treffen. In der Regel wurden die Verstorbenen in gestreckter Rückenlage
niedergelegt. Ihre Orientierung erfolgte einheitlich in Längsrichtung der Kammer, wobei
der Kopf zum Eingang zeigte. Selbst verlagerte Langknochen weisen in vielen Fällen noch
eine in etwa entsprechende Ausrichtung auf. Die Verhältnisse in Calden 2 entsprechen
damit den Beobachtungen, die in den Gräbern von Altendorf und Calden 1 gemacht wurden.
Die Beigabensitte in Calden 2 entspricht ebenfalls in etwa der des Grabes 1 am
Ortsrand. Pfeilspitzen und Klingen aus Feuerstein bzw. Lydit, eine Bernsteinperle sowie
durchbohrte Tierzähne als Kleidungsbesatz oder Amulette zählen zur persönlichen
Ausstattung der Toten. Die wenige Keramik im Grabraum dagegen dürfte wie auch in Calden 1
eher zur allgemeinen Ausstattung der Grabkammer gehört und dort eine spezielle Funktion
gehabt haben. Scherben einer sogenannten Trommel vor dem Eingang des Grabes stehen
ebenfalls mit dem Grabritus in Zusammenhang. Dieser vor allem in Mitteldeutschland
gebräuchliche Gefäßtyp tritt in Calden zum ersten Mal im Gebiet der Wartbergkultur auf,
ist aber aufgrund der Verzierung eindeutig ein lokales Produkt. Importiert ist dagegen
eine ebenfalls im Eingangsbereich des Grabes gefundene, stark zerscherbte Schale. Ihre
Verzierung, ein charakteristisches "Querstich"-Muster, weist auf das Gebiet der
nordwestdeutschen Trichterbecherkultur als Herkunftsregion. Auch dieser Befund ist ein
Novum für die nordhessische Wartbergkultur. Man kann vermuten, daß die Schale entweder
über das Leinetal oder die Warburger Börde als Handelsgut oder persönlicher Besitz nach
Calden gelangte.
Gräber und Siedlungen
Innerhalb weniger Jahre hat sich auf der Verbreitungskarte der Wartbergkultur ein
isolierter Fundpunkt bei Calden - dem Galeriegrab von 1948 - in einen neuen
Verbreitungsschwerpunkt zwischen dem Fritzlarer Becken im Süden sowie der Warburger
Börde im Norden gewandelt (7). Doch auch dies ist lediglich ein vorläufiger
Forschungsstand, denn zum einen sind beispielsweise die Siedlungen zu den Gräbern noch
nicht bekannt, obwohl sie in nicht allzu weiter Entfernung dazu liegen dürften. Zum
anderen setzt die Anlage eines Erdwerks eine entwickelte Infrastruktur voraus - eine
relativ dicht mit Weilern oder Dörfern bestückte Siedlungslandschaft.
Ob die momentanen "Ballungen" von Funden auf der Verbreitungskarte der
Wartbergkultur reale Siedlungsschwerpunkte anzeigen, muß daher vorerst offen bleiben.
Sicher ist im Raum Grebenstein - Hofgeismar mit weiteren, ehemals oder noch vorhandenen
Großsteingräbern und dazugehörigen Siedlungen zu rechnen.
Erdwerke und ihre Funktion
Erdwerke sind, wie Ausgrabungen und Forschungen vor allem der letzten Jahre
zeigen, ein regelmäßiger Bestandteil der jungsteinzeitlichen Welt Europas. Über 3000
Jahre hinweg wurden Wall-Graben-Anlagen in verschiedensten archäologischen Kulturen
angelegt. Immer mehr zeigt sich auch, daß es hier - wie bei Keramik und Totenbrauchtum -
gewisse Traditionen gab, die Gestalt, Nutzungsart und Lage betreffen. Immer deutlicher
wird aber auch, daß der übliche neutrale Begriff "Erdwerk" bereits viele
funktional grundverschiedene Erscheinungen beinhaltet, die außer dem Vorhandensein von
Wällen und Gräben wenig gemeinsam haben. Das Spektrum reicht in Mitteleuropa von
kleineren umwallten Gehöften oder Dörfern über fast burgähnliche Anlagen bis hin zu
astronomisch orientierten Anlagen für religiöse Praktiken und weiträumig umwallten
Flächen von 100.000 bis zu über 1.000.000 m², die als "multifunktionale"
Zentralplätze mit einer herausragenden Bedeutung für eine ganze Region gedeutet werden
können. Gerade die größeren Anlagen weisen - so auch Calden - in der Regel zu geringe
Siedlungsspuren für eine Interpretation als umwallte Großsiedlung auf. Auch im
Zusammenhang mit der Errichtung von Megalithgräbern wird von der neueren Forschung
vermutet, daß Bauaufwand und dahinterstehende Organisation einen für die beteiligten
Gemeinschaften äußerst verbindenden und stabilisierenden Effekt hatten, der für sich
bereits Teil der eigentlichen Funktion von Megalithgräbern und Erdwerken gewesen sein
mag. Gleichzeitig symbolisierte möglicherweise ihre Errichtung, Existenz und Nutzung
über viele Jahre den Anspruch auf ein bestimmtes Territorium. Ihre Lage, die von den
Erbauern mit Bedacht und im Hinblick auf die der Anlage zugedachte Funktion gewählt
wurde, reflektiert dadurch in gewisser Weise die "Raumordnung" dieser Zeit. In
der Wartbergkultur Hessens und Ostwestfalens sind Wall-Graben-Anlagen eine Neuentdeckung
der letzten zehn Jahre. Bis heute sind vier sicher datierte Fundplätze bekannt; neben
Calden die Anlagen von Warburg-Rimbeck und Brakel (beide Kreis Höxter) in Ostwestfalen
sowie Wittelsberg im Amöneburger Becken (Kreis Marburg-Biedenkopf). Während Calden und
Rimbeck allein schon aufgrund ihrer besonderen Größe am ehesten als Zentralplätze zu
interpretieren sind, handelt es sich bei Wittelsberg zweifellos um eine befestigte
Siedlung (8).
Warum hier?
Bereits die Grabungen 1988/89 im Caldener Erdwerk ergaben verschiedene Befunde,
die der religiösen Sphäre der damaligen Zeit zuzuordnen sind. Dieses Bild hat sich auch
durch die weiteren Untersuchungen bestätigt. Eine besondere Rolle spielen hierbei die
Niederlegungen von Hirschgeweihteilen bzw. -geräten, entweder im Grabenbereich oder im
Bereich der ehemaligen Holzeinbauten und Palisaden, und auch menschliche Schädelteile in
der Grabenfüllung, die im Zusammenhang mit Beifunden wie ausgewählten Tierknochen nur
als rituell interpretiert werden können. Im Zusammenhang mit der ausgeprägten
Wehrhaftigkeit der Anlage scheint hier eine bereits angesprochene
"Multifunktionalität" zum Ausdruck zu kommen.
Dennoch ist die Lage an einem von verschiedenen Seiten gut einsehbaren, leicht
geneigten Nordosthang verteidigungstechnisch denkbar ungünstig. Nur etwa einen Kilometer
nordwestlich oder auch südlich wären die geländemorphologischen Bedingungen hierfür
weitaus geeigneter. Geht man davon aus, daß die Lage eines Bauvorhabens dieser
Größenordnung mit größter Sorgfalt bestimmt wurde, dürften somit andere als rein
fortifikatorische Gründe für die Platzwahl ausschlaggebend gewesen sein.
Auffällig ist die ausgeprägte Randlage am Westrand einer weitläufigen, nach
Nordosten geöffneten Beckenlandschaft mit nach Osten hin sehr fruchtbaren Böden
(Essetal), die gleichzeitig als das potentiell zugehörige Siedlungsgebiet angesehen
werden kann. Sie wird im Süden und Westen durch eine ausgeprägte Schichtstufe begrenzt,
die auf den Wechsel von Oberem Buntsandstein (Röt) zu Muschelkalk zurückzuführen ist.
Diese Schichtstufe ist gleichzeitig Wasserscheide zwischen Nebelbeeke/Warme, Ahne und
Calde/Esse. Mit ihrem Grundriß beschreibt die Caldener Anlage einen zunächst recht
unregelmäßig erscheinenden Kreis. Die "Symmetrieachse" verläuft jedoch in
Südwest-Nordost-Richtung, wobei jeweils 3 Grabenunterbrechungen bzw. Einbauten
nordwestlich und südöstlich der gedachten Achse einander paarweise zugeordnet sind. Die
eigentliche Toranlage im Norden - mit deutlich unterschiedlicher Form und wohl auch
Funktion - besitzt kein Gegenstück. Die "Frontalseite" des Erdwerks weist somit
nach Südwesten und ist etwa parallel zur 250 m entfernten Wasserscheide wie auch zur
Schichtstufe ausgerichtet.
Möglicherweise kommt dieser charakteristischen Geländeformation die Funktion einer
jungsteinzeitlichen Territoriumsgrenze zu, auf die sich die Anlage bezieht. Unmittelbar
westlich befindet sich die auf ca. 8 km Länge geländemorphologisch günstigste Stelle
für eine Überwindung der Schichtstufe. Man kann vermuten, daß Gesamtlage und
Ausrichtung weiterhin von einer ehemaligen, hier zunächst aus der Orohydrographie
erschlossenen Wegführung bestimmt werden. Mindestens seit der frühen Neuzeit ist 1,5 km
nordöstlich und südöstlich der neolithischen Anlage auf zwei Alternativtrassen eine
überregionale Südost-Nordwestverbindung aus dem Kasseler Becken über die Warburger
Börde bis in den Raum Paderborn belegt ("Holländische" bzw. "Alte
Straße") (9). Sie überwinden die Geländestufe jeweils in einem Steilanstieg, der
bei der vorgeschlagenen neolithischen Wegführung zu vermeiden wäre. Interessanterweise
liegt auch die Wall-Graben-Anlage von Rimbeck in unmittelbarer Nähe dieser
Verbindungsroute und randlich zu einer Siedlungskammer im Raum Warburg. Möglicherweise
existiert damit ein Hinweis auf eine Verbindung zwischen den wartbergzeitlichen
Siedlungskonzentrationen des Fritzlarer Beckens, des Raumes Calden/Grebenstein, der
Warburger Börde und nordwestlich anschließend der Siedlungskammer des Altenau- und
Almetales mit zahlreichen Galeriegräbern und einer Wall-Graben-Anlage bei
Salzkotten-Oberntudorf; allgemeiner: auf eine Verbindung zwischen den Siedlungsräumen der
nördlichen Wartbergkultur und der nordwestlich in der Münsterschen Bucht anschließenden
Trichterbecherkultur.
Grundsätzlich müssen die Möglichkeiten zur Rekonstruktion jungsteinzeitlicher
Verkehrsverbindungen allerdings sehr zurückhaltend beurteilt werden. Aufgrund des
Forschungsstandes und der beschränkten Quellenbasis ist die Forschung weit davon
entfernt, etwa ein regelrechtes Wegenetz rekonstruieren zu können. Daß aber bereits im
Jungneolithikum eine entsprechende Infrastruktur bestand, belegen u.a. dendrochronologisch
datierte Moorwege, Reihungen von Megalithgräbern im Bereich der Trichterbecherkultur
(10) sowie in den letzten Jahren zunehmende Funde von hölzernen Scheibenrädern
entsprechender Zeitstellung aus Süddeutschland. Beobachtungen an Befestigungen und
Höhensiedlungen der Chamer Kultur in Bayern zeigen z.T. eine Lageidentität mit
mittelalterlichen Burgen und entsprechenden Verkehrswegen (11). So dürfte eine
relieforientierte Analyse potentieller Siedlungskammern und natürlicher Verbindungswege
zwischen ihnen insbesondere für das nordhessisch-ostwestfälische Bergland eine erste
Einschätzung möglicher Kommunikationswege erlauben (12).
Ein weiteres interessantes Beispiel für diese Überlegungen bietet das bereits
erwähnte, 1985 aus der Luft entdeckte Erdwerk von Salzkotten-Oberntudorf (13). Diese
eindrucksvolle Anlage, die aus 5 hintereinander gestaffelten Gräbern besteht, liegt
unmittelbar auf der Trasse des seit frühmittelalterlicher Zeit belegten Haarweges
(Kleiner Hellweg), der als Teil alter Ost-West-Verbindungen zwischen Rhein und Elbe auf
einer verkehrsgünstigen Wasserscheide verläuft. Die Anlage selbst ist vermutlich zu
einem Teil ihrer Nutzungszeit wartbergzeitlich. Im weiteren Verlauf dieses
Verbindungsweges wird östlich von Schöningen an der Grenze von Niedersachsen zu
Sachsen-Anhalt z.Zt. eine jungsteinzeitliche Anlage untersucht, die ebenfalls auf der
durch die Geländemorphologie bestimmten Trasse liegt (14).
Mit dem Caldener Erdwerk und seinen verwandten Erscheinungen in der Mittelgebirgszone
haben wir eine faszinierende neue Quellengruppe vor uns. Der hier vermutete direkte
Zusammenhang mit zeitgenössischen Verkehrswegen und der möglicherweise stark rituellen
Betonung und Kontrolle von Territorialität läßt eine Interpretation der großen
Erdwerke unseres Raumes als eine Art vielfältiger "Schnittstelle" zu:
Kommunikationszentren für die einzelnen sozialen Verbände der Erbauer, die darüber
hinaus den Kontakt zu den Menschen der angrenzenden Regionen reglementieren und
Verbindungsorte zur religiösen Vorstellungswelt und - in Zusammenhang mit den
Megalithgräbern - zu den Toten bzw. Ahnen darstellen. Ausgehend von den einzigartigen
Befunden in Calden wird diese Denkmalgruppe nach Abschluß unserer Untersuchungen Auskunft
über die räumliche und politische Organisation der jungsteinzeitlichen bäuerlichen
Gemeinschaften im Mitteleuropa des 4. Jahrtausend v. Chr. geben.
Ausblick
Mit dem Abschluß der Außenarbeiten am Caldener Erdwerk im Herbst 1992 beginnt
die eigentliche Auswertung der Grabungsergebnisse. Die Bearbeitung und Interpretation der
archäologischen Funde und Befunde erfolgt im Landesmuseum Kassel.
Die anthropologischen und zoologischen Funde werden an der Universität Tübingen
untersucht, die naturwissenschaftlichen Altersbestimmungen erfolgten bzw. erfolgen in
Köln und Heidelberg. Ein Teil der wenigen überlieferten botanischen Reste wurde bereits
in Göttingen analysiert. All diese Arbeiten, die zum Teil sehr zeitaufwendig sind, werden
erst in einigen Jahren vollständig abgeschlossen sein.
Die Ergebnisse unserer Untersuchungen sind nicht allein für Museumsvitrinen und Bücher
bestimmt (15). Die Gemeinde Calden und der Landkreis Kassel planen, mit Unterstützung der
Archäologischen Gesellschaft Hessen und fachlichem Beistand des Landesmuseums eine
Teilrekonstruktion des neuen Galeriegrabes sowie eine Sichtbarmachung des Erdwerksumfanges
durch Baumanpflanzungen an Wegrändern. Zur Diskussion steht auch die Rekonstruktion eines
kleinen Teiles der ehemaligen Umfassungsanlagen einschließlich einer Bastion.
Hinweistafeln werden Informationen über das Objekt liefern und somit die durch unsere
Ausgrabungen wiedergewonnene Geschichte im Gelände erlebbar machen.
Anmerkungen
(1) Siehe Jahrbuch des Landkreises Kassel 1990, 131-135. Weitere Literatur: Dirk
Raetzel-Fabian und Irene Kappel: Erdwerk und Megalithgrab bei Calden. Mittelpunkt einer
Region vor 5000 Jahren. Archäologische Denkmäler in Hessen 91. Wiesbaden 1991.
Dirk Raetzel-Fabian: Zwischen Fluchtburg und Kultstätte. - In: Archäologie in
Deutschland, Heft 4/1991, 22-25.
Ders. : Die Ausgrabungen am jungsteinzeitlichen Erdwerk bei Calden 1988-1991. Ein
Forschungsbericht. - In: Hessischer Gebirgsbote, 93. Jg. Nr.1, Januar-März 1992, 6-8.
(2) Nach fünf Jahren intensiver Grabungstätigkeit am Caldener Erdwerk bedeutet eine
abschließende Danksagung Rückblick auf eine intensive Hilfsbereitschaft vor Ort, wie sie
sicher nicht immer und überall anzutreffen ist Sie war letztlich einer der wichtigsten
Grundsteine dafür, daß die wissenschaftlichen Außenarbeiten erfolgreich und mit
aufsehenerregenden Ergebnissen abgeschlossen werden konnten.
Die Gemeinde Calden unter ihrem Bürgermeister Hans Knab ertrug nicht nur mit Gelassenheit
die jährliche Schar der Archäologen - sie schaffte es, so gut wie jedes Ansinnen der
Ausgräber (und es waren nicht wenige) prompt zufriedenzustellen. Besonders dem Bauhof
unter Günter Reinhardt sowie Helmar Knaust, Liegenschaftsamt, gilt unser Dank für die
stete Hilfsbereitschaft. Dem außerordentlichen Engagement von Landrat Dr. Udo
Schlitzberger - zu jener Zeit MdL - wie auch den mannigfaltigen Hilfestellungen des
Kultur- und Geschichtsvereins Calden e.V. ist es zu verdanken, daß das Projekt - das
1988/89 finanziell am seidenen Faden hing - überlebte und einen glücklichen Verlauf
nahm. Auch Helga und Hermann Klöker, Calden, haben dazu mit ihrem unermüdlichen Einsatz
maßgeblich beigetragen. Ebenfalls sei allen Grundstücksbesitzern und Pächtern, deren
Boden wir umgraben mußten, um in die Jungsteinzeit zu gelangen, herzlich für ihr
Verständnis gedankt
Die geophysikalischen Prospektionen wurden von Dr. Hans Günter Jansen, Tübingen, und
Dipl.-Geophys. Winfried Kuchenbrod, Frankfurts. M. und Kriftel, durchgeführt. In
bodenkundlichen Fragestellungen berieten uns Dr. Jens Kulick, Dr. Karl-Josef Sabel und
Eberhard Weidner vom Hessischen Landesamt für Bodenforschung in Wiesbaden sowie Dr.
Mechthild Klamm, damals Institut für Bodenkunde, Göttingen, z.Zt. Hessisches
Landesmuseum Kassel.
Die Luftbilddokumentation erfolgte - z.T. als Spende - mit Unterstützung der
Helicopter-Flug-Service GmbH, Calden. Weitere Luftaufnahmen fertigten Otto Braasch und
Klaus Leidorf M.A. im Auftrag des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen, Archäologische
Denkmalpflege, Wiesbaden, an. Dem Landesamt danken wir weiterhin für die stete
Unterstützung und Diskussionsbereitschaft.
Für die Ausgrabungen des Galeriegrabes Calden 2 verdanke ich manch wertvollen Hinweis Dr.
Klaus Günther, Westfälisches Museum für Archäologie, Amt für Bodendenkmalpflege,
Bielefeld, dem wohl besten Kenner dieser Denkmalgruppe. Zu ganz besonderem Dank
verpflichtet bin ich meiner Kollegin Gesine Weber M.A. jetzt Kreisarchäologie Offenbach
a.M.), die mich bei den Außenuntersuchungen zu jeder Zeit tatkräftig unterstützte,
obwohl darüber ihre eigentlichen Aufgaben im Museum nur noch mit zahllosen Überstunden
zu bewältigen waren.
Last but not least gilt unser Dank den folgenden Personen, Firmen und Institutionen,
die im Jahrbuch 1990 noch nicht genannt wurden oder uns wiederum unterstützten:
Amt für Landwirtschaft und Landentwicklung Kassel
Aus- und Fortbildungsverbund im Landkreis Kassel, Wülmersen
Baustoffhandlung Rosental, Calden
Freiwillige Feuerwehr Calden
Kreissparkasse Hofgeismar
Lions Club Kassel
Dipl.-Phys. Charlotte Siebers, Kassel
Siemens AG Kassel
Volkswagen AG Werk Kassel
(3) Fundberichte aus Hessen 13,1973, 8.260.
Führer zu vor- und frühgeschichtlichen Denkmälern 50. Kassel, Hofgeismar, Fritzlar,
Ziegenhain. Teil 1: Einführende Aufsätze. Mainz 1982, 85 Karte 1 und 121 Nr.15.
Jahrbuch Landkreis Kassel 1978, 8.28.
(4) Vgl. Dirk Raetzel-Fabian: Nordhessen vor 5000 Jahren. Megalithgräber und
Höhensiedlungen. - In: Jahrbuch des Landkreises Kassel 1989, 28-33.
(5) Die zoologische Bestimmung verdanke ich cand. phil. Kerstin Krug, Institut für
Urgeschichte - Archäozoologie, Tübingen.
(6) Geologische Karte des Reinhardswaldes 1:50000 (Wiesbaden 1980); Geologische Karte
von Hessen 1:25000, Blätter Nr.4622 Kassel-West, Nr.4621 Wolfhagen, Nr.4521 Liebenau
(Wiesbaden 3. Aufl. 1969, 1966,1983, jeweils mit Erläuterungen); Geologische Karte von
Preußen 1:25000, Blatt Nr.2590 Hofgeismar (Berlin 1928).
(7) Vgl. Dirk Raetzel-Fabian: Die ersten Bauernkulturen. Jungsteinzeit in Nordhessen.
Vor- und Frühgeschichte im Hessischen Landesmuseum in Kassel 2. Kassel 1988, 5. 102f.,
Karten Abb. 142, 145.
(8) Zu Rimbeck: Klaus Günther: Erdwerk der Jungsteinzeit in Westfalen. - In:
Archäologie in Deutschland 4/1991,8.18-21; sowie Ausgrabungen und Funde in Westfalen-Lippe
7,1992, 8.174-175. Zu Brakel: Werner Best: Bericht über die archäologische
Luftbildauswertung im Regierungsbezirk Detmold. April bis November 1986. - In:
Ausgrabungen und Funde in Westfalen-Lippe 5, 1987, 8.471-507.
Zu Wittelsberg: Lutz Fiedler: Eine befestigte Siedlung der Jungsteinzeit bei Wittelsberg,
Kreis Marburg-Biedenkopf. Zur Archäologie des 4. und 3. Jahrtausends vor Christus. - In:
Denkmalpflege in Hessen 2/1991, 8.23-27.
Die Anlagen von Calden und Rimbeck sind in ihrer Größe fast identisch. Calden nimmt eine
Gesamtfläche von 14,0 ha ein, die Kernanlage in Rimbeck 11,5 ha. Zusammen mit einem
neuentdeckten Vorwall beträgt die Fläche in Rimbeck 14,7 ha. Die Wall-Graben-Anlage von
Wittelsberg umfaßt ca. 1,4 ha, der Innenraum ca. 1,0 ha. Über das Erdwerk von Brakel
können noch keine Angaben gemacht werden.
(9) Vgl. Herbert Krüger: Hessische Altstraßen des 16. und 17. Jahrhunderts. Hessische
Forschungen zur geschichtlichen Landes- und Volkskunde 5. Kassel, Basel 1963. Routen 76 und
77. Zum genauen Verlauf: Niveaukarte vom Kurfürstentum Hessen 1:25000, Blatt 9
Hofgeismar, Blatt 15 Wilhelmshöhe (beide 1859). Schleenstein'sche Karte Blatt 1 Kassel
(1820), Blatt 2 Zierenberg und Blatt 3 Hofgeismar (beide 1705/1715). Reprints hrsg. vom
Hessischen Landesvermessungsamt Wiesbaden.
(10) Jan Albert Bakker: On the Possibility of Reconstructing Roads from the TRB Period.
- In: Berichten van de Rijksdienst voor het oudheidkundig Bodemonderzoek 26,1976, 63-91.
(11) Hans Peter Unze: Die endneolithische befestigte Siedlung von Dobl, Ldkr.
Rosenheim. - In: Bayerische Vorgeschichtsblätter 46, 1981, 1-36.
Im Landkreis Kassel liegt bei Helmarshausen oberhalb der mittelalterlichen Krukenburg ein
(noch undatiertes) Erdwerk in vergleichbarer Lage. Vgl. Dirk Raetzel-Fabian in:
Archäologie in Deutschland 4/1991, 22f. (siehe Anm. 1). Den Hinweis verdanke ich dem
Landesamt für Denkmalpflege Hessen, Archäologische Denkmalpflege, Wiesbaden.
(12) Eine ausführliche Bearbeitung dieser Fragestellung durch den Verfasser ist in
Vorbereitung.
(13) Ausgrabungen und Funde in Westfalen-Lippe 5, 1987, 713-718 (Fundchronik). Klaus
Günther 1991 (Anm. 8).
(14) Hartmut Thieme: Das bandkeramische Erdwerk von Esbeck und weitere Befunde
neolithischer Grabensysteme aus dem Helmstedter Braunkohlerevier bei Schöningen. - In:
Jahresschrift für mitteldeutsche Vorgeschichte 73, 1990, 357-368. Fundstelle Schöningen
13, 365ff.
Braunschweiger Zeitung vom 8.8.1992, S. 3.
(15) Die Funde werden nach ihrer Restaurierung und Bearbeitung im Hessischen
Landesmuseum in Kassel, Brüder-Grimm-Platz, aufbewahrt bzw. ausgestellt. Die
Gesamtpublikation der Grabungsergebnisse ist für die Reihe der Kasseler Beiträge zur
Vor- und Frühgeschichte vorgesehen.
© Dirk Raetzel-Fabian (www.jungsteinsite.de - 14. November 1999)
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