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special
Calden - Erdwerk und Galeriegräber des 4. Jahrtausends v.
Chr.
Einführung
www.jungsteinsite.de - Artikel vom 14. November
1999
Dirk Raetzel-Fabian
Das Calden-Projekt begann 1988 als kleine Probegrabung zur
Datierung eines Erdwerks und führte zu einem mehrjährigen
Forschungsunternehmen, das völlig neue Interpretationsansätze für diese
Objektgruppe ermöglichte und „nebenbei" die bis dahin gültige Chronologie der
Wartbergkultur umstieß. Bisherige Publikationen waren kleinere „work in
progress"-Berichte; dieses special gibt einen aktuellen Überblick über die Ergebnisse der Untersuchungen und dient als (farbige)
Ergänzung zur Gesamtpublikation, die in der ersten Jahreshälfte 2000
erscheinen wird.
Calden: causewayed enclosure and gallery graves of the 4th
millennium BC - Introduction
In 1976 a causewayed enclosure was discovered from the air at Calden
near Kassel in the most northern part of Hesse. The partial destruction of a
smaller part of the ditch system through limestone quarrying led to the setting up of the Calden project (1988 - 1996): the detailed investigation of the
enclosure itself, a newly discovered gallery grave nearby (Calden II) and a radiocarbon
dating project for many late Michelsberg and Wartberg sites. A complete account
of the results will be published in 2000.
Einführung
Seit die großen
Wall-Graben-Anlagen der Jungsteinzeit am Ende des 19. Jh. als archäologische Objektgruppe
erkannt wurden, ist die Diskussion um ihre ehemalige Funktion in vollem Gange. Alle nur
denkbaren Erklärungsvarianten wurden ins Spiel gebracht: Befestigung, Marktplatz,
Viehkral, Kultstätte - bis hin zur kuriosen Fluchtburg "gegen Frauenräuber" (Neues
Deutschland vom 4./5. August 1990). Trotz der über
einhundertjährigen Forschungsgeschichte sind nur wenige Erdwerke hinreichend
archäologisch untersucht; als besonders problematisch erweist sich die Größe,
insbesondere die Flächenausdehnung, vieler Objekte. Hinzu kommt eine erdrückende Zahl von
Neuentdeckungen durch die Luftbildarchäologie, die deutlich macht, daß die
Forschung bei der Erkundung dieser Quellengruppe erst am Beginn steht.
Vorgeschichte
Im heißen und trockenen Sommer 1976 entdeckte der Pilot Siegfried Einzmann
beim Anflug auf den Regionalflughafen „Kassel-Calden" ausgeprägte
Bewuchsmerkmale eines jungsteinzeitlichen Erdwerks. Da eindeutige Lesefunde aus
dem Bereich der Anlage fehlten, gab es zunächst unterschiedliche Vermutungen
zur kulturellen Zugehörigkeit. Form und Größe des Doppelgrabensystems
sprachen einerseits für eine Datierung in die Michelsberger Kultur (ca. 4200 -
3500 v. Chr.), die Nähe zu einem 1948 entdeckten und untersuchten Galeriegrab
(jetzt als Calden I bezeichnet) in 1 km Entfernung andererseits für eine
mögliche Einordnung in die nachfolgende Wartbergkultur (ca. 3500 - 2800 v.
Chr.).
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Abb. 1:
Blick vom Flughafen nach Süden in Richtung Kalksteinbruch. Im Mittelgrund
ist das Doppelgrabensystem als Erhöhung im Getreide zu erkennen (positives
Bewuchsmerkmal).
Fig. 1: Crop marks of the Calden enclosure (in the middle ground).
© Dirk Raetzel-Fabian / Staatliche
Museen Kassel |
Abb. 2:
Blick
nach Osten in Richtung Calden. Das Doppelgrabensystem ist als grüne Spur zu
erkennen.
Fig. 2: Crop marks.
© Dirk Raetzel-Fabian / Staatliche
Museen Kassel |
Mehrere Jahre nach der Entdeckung wurde das Erdwerk unbemerkt randlich von einem
Kalksteinbruch erfaßt - Anlaß für eine Probeuntersuchung durch die
Abt. Vor- und Frühgeschichte der Staatlichen Museen Kassel im Jahr 1988.
Aufgrund der besonderen Befunde wurden die Grabungen bis 1992 fortgeführt;
parallel dazu konnte ein neuentdecktes Galeriegrab 100 m südlich der Anlage
untersucht werden (Calden II). Die nachfolgende Auswertung wurde 1996
abgeschlossen; sie umfaßte zusätzlich eine Neubearbeitung des 1948
untersuchten Grabes Calden I sowie ein umfangreiches 14C-Datierungsprojekt.
Beteiligt waren insgesamt 18 Wissenschaftler unterschiedlicher Fachrichtungen
aus Deutschland, der Schweiz und den Niederlanden.
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Die Lage der Untersuchungsobjekte
Die
Gemeinde Calden liegt 12,5 km nordwestlich der Stadt Kassel im Landkreis Kassel (ehem.
Kr. Hofgeismar, Hessen). Das Galeriegrab Calden I lag 750 m südlich der Ortsmitte,
Grab II und das Erdwerk befinden sich südlich des Flughafens „Kassel-Calden",
etwa 1,75 km südwestlich der Ortsmitte.
Die erhaltenen Steine von Calden I wurden in den
50er Jahren gegenüber einer Schule, südlich der eigentlichen Fundstelle, als
„Mini-Dolmen" wieder aufgebaut. Die erhaltenen Steine von Grab II wurden
nach Abschluß der Grabungen um fehlende Wandsteine ergänzt und direkt über
dem Originalbefund restauriert. Auf Decksteine wurde aus Sicherheitsgründen
verzichtet. Die Bewuchsmerkmale über den Erdwerksgräben sind auf
Getreidefeldern im Sommer bei anhaltend trockener Witterung problemlos vom Boden
aus erkennbar.
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Abb. 3:
Lage des
Fundortes. Entfernungen in Meilen.
Fig. 3: Location of the Calden site.
© Microsoft www.expediamaps.com
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Ziele der Untersuchung
Primäres Ziel der Testgrabung von 1988 war die zuverlässige
archäologische Datierung des Erdwerks, doch erweiterte sich diese Vorgabe sehr
schnell durch die Entdeckung architektonisch komplexer Holzeinbauten und durch
die Auffindung des zweiten Galeriegrabes. So verfolgte das Forschungsprojekt
schließlich ein ganzes Bündel von Fragestellungen:
- Struktur des Erdwerks: Architektur der Umfassungsanlagen,
Innenbesiedlung, Nutzungsgeschichte
- Funktion des Erdwerks, Untersuchung seiner Stellung in Zeit
und Raum
- Rekonstruktion der Grabarchitektur beider Megalithgräber,
Belegungszeitraum, Grabritus, Beziehungen
- Datierung und kulturelle Einordnung des Erdwerks sowie der
Galeriegräber I und II
- Zeitliche und funktionale Zusammenhänge zwischen Erdwerk
und Gräbern
- Untersuchung des Beziehungsgefüges zwischen Landschaft und archäologischen Objekten, die zur Rekonstruktion einer „rituellen
Landschaft" führte
- Revision der bestehenden Chronologie im Zeitraum zwischen
3800 und 2700 v. Chr. in Nordhessen und den geographisch unmittelbar
angrenzenden Räumen
© Dirk Raetzel-Fabian 1999
Dirk Raetzel-Fabian
Herkulesstrasse 69
D-34119 Kassel
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