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Calden - Erdwerk und Galeriegräber des 4. Jahrtausends v.
Chr.
Das hallstattzeitliche Brandgräberfeld
www.jungsteinsite.de - Artikel vom 14. November
1999
(letzte Aktualisierung 15. Dezember 2001)
Gesine Weber
Eine der größten Überraschungen des Calden-Projektes waren
die zahlreichen Aktivitätsspuren späterer Epochen im Bereich des Erdwerks und
des Grabes II. Sie waren vor Projektbeginn anhand der Lesefunde in diesem
Ausmaß nicht erkennbar und belegen eine intensive Nutzung des gesamten Areals
von der Errichtung des Erdwerks bis in die Eisenzeit hinein. Eine besondere
Rolle spielt hierbei ein ausgedehntes Brandgräberfeld, dessen Zentrum
offensichtlich bewußt im Bereich eines ehemaligen Zuganges in das Erdwerk
hinein angelegt wurde.
Calden: the Hallstatt period cremation cemetery
The construction of the enclosure was a starting point for several exclusively
ritual activities in the whole area. The most impressive evidence for this is an
early Iron-Age cremation cemetery (Hallstatt C1) in the northern and eastern parts of the
enclosure (Areas E and L). 29 cremations, most of which were plough-damaged,
were excavated in the 1990-91 season. A
small mortuary structure in the centre of the cemetery, consisting of six posts, was -
probably deliberately - placed in the middle of the Neolithic gateway.
Das Gräberfeld
Im Zuge der Ausgrabungsarbeiten
am neolithischen Erdwerk von Calden wurde in der Kampagne 1990 ein 27
Bestattungen umfassendes Brandgräberfeld der frühen Eisenzeit sowie der
Grundriß eines kleinen Gebäudes angeschnitten (Abb. 1-2). Im folgenden Jahr
konnten in 150 m Entfernung zwei weitere Grabreste geborgen werden (Areal L).
Das Brandgräberfeld konzentrierte sich im Bereich der nordöstlichen
Unterbrechung des Erdwerks im unteren Hangbereich. In seiner topographischen
Lage - etwas über der Talsohle an einem leicht geneigten Hang - entspricht der
Bestattungsplatz den bekannten urnenfelder- und eisenzeitlichen Nekropolen
Niederhessens.
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Abb. 1:
Plan des Brandgräberfeldes im Bereich der Grabenunterbrechung 2
(Areal E).
Rechtecke: Urnengräber
Stehende Dreiecke: Brandschüttungen
Offene Signaturen: stark zerstörte Brandgräber
Grau unterlegt: Sechs-Pfosten-Bau
Fig. 1: Plan of the cremation cemetery in area E.
Squares, triangles: cremation graves
Grey: Iron Age funeral building with 6 posts
Open signatures: heavily destroyed features
© Dirk Raetzel-Fabian |
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Abb. 2:
3D-Gegenüberstellung der neolithischen und eisenzeitlichen (weiß) Baubefunde bzw.
Brandgräber.
Fig. 2: 3D-reconstruction of Neolithic and Iron Age structures (marked in
white: funeral building, cremations).
© Dirk Raetzel-Fabian |
Die Gräber lagen zumeist dicht beieinander. Ein Grab kann als
Doppelbestattung einer erwachsenen Frau und eines 10-12-jährigen Kindes
(Bestimmung Peter H. Blänkle, Offenbach) angesehen werden, die in zwei dicht
nebeneinander stehenden Urnen beigesetzt wurden. Vorherrschende Grabform ist die
des Urnengrabes, doch es wurden auch Brandschüttungen beobachtet. Aufgrund des
hohen Zerstörungsgrades durch den Ackerbau konnte in vielen Fällen die
Grabform nicht mehr bestimmt werden; das gleiche gilt für die Rekonstruktion
der Gefäßformen.
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Abb. 3:
Grab U1 während der Bergung (vgl. Abb. 5, links).
Fig. 3: Urn burial U 1 (cf. Fig. 5, left).
© Dirk Raetzel-Fabian / Staatliche Museen Kassel
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Abb. 4:
Pfosten des eisenzeitlichen Gebäudes und Fundamentgräben des
neolithischen Einbaus.
Fig. 4: Posts of the Iron Age building and Neolithic palisade trenches.
© Dirk Raetzel-Fabian / Staatliche Museen Kassel
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Funde
Formenkundlich ansprechbar waren nur neun Gefäße aus 29 Bestattungen. Unter
den Urnen überwiegen eiförmige Gefäße mit Tupfenrand. Sie lassen sich
besonders mit den Wellrandgefäßen der früheisenzeitlichen Thüringer Kultur
verknüpfen (vgl. Simon 1979; 1983). Zu den Beigabengefäßen zählen Becher,
Tassen und Schalen, die z.T. urnenfelderzeitliche Traditionen erkennen lassen.
An Metallbeigaben wurden lediglich wenige, stark verschmolzene Bronzen
geborgen. Dazu kamen Beigaben aus Stein, wie ein Roteisenstein und ein
Quarzitabschlag. Ein aus der Holzkohle ausgelesener Schlehenkern könnte auf
eine vegetabile Speisebeigabe hindeuten; verbrannte Tierknochen belegen eine
Fleischbeigabe auf dem Scheiterhaufen.
Inmitten des Gräberfeldes stand ein sechspfostiges, etwa 2,70 x 2,50 m
großes Gebäude, das SW-NO orientiert war. Südwestlich vor dem Gebäude lag
eine gräberfreie Fläche. Vielleicht wurden in dem Gebäude die Toten vor der
Verbrennung aufgebahrt.
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| Abb. 5:
Gefäße aus den Bestattungen U 1
(links) und U 16. Höhe der Amphore (rechts) 26 cm.
Fig. 5: Pottery from the cremation graves U 1 (left) and U 16.
© Staatliche Museen Kassel (Zeichnung: Heidi
Hogel) |
Datierung
Die Caldener Urnen mit Tupfenrand können nach den Parallelen mehrheitlich in
die Stufe Ha C 1 datiert werden. Die wenigen weiteren ansprechbaren
Keramikformen unterstützen diesen Zeitansatz, auch wenn chronologische
Differenzierungen anhand der Keramiktypologie in der frühen Eisenzeit in
Nordhessen, wie auch den nördlich angrenzenden Gebieten, fast unmöglich ist.
Das weitgehende Fehlen von Metallbeigaben ist für die früheste Eisenzeit
Nordhessens charakteristisch. Ein 14C-Datum von Fundstelle E/U1
belegt ebenfalls die Datierung in die früheste Stufe von Ha C. Drei Gräber mit
kamm- oder besenstrichverzierten Gefäßen können in einen jüngeren Abschnitt
der Hallstattzeit datiert werden.
Verbindungen zum Erdwerk?
Bemerkenswert ist die Lage des Gräberfeldes in einer Grabenunterbrechung des
neolithischen Erdwerks. Der hallstattzeitliche Pfostenbau überlagert dabei den
mittleren Bereich des neolithischen Zugangsgebäudes (Abb. 2, 4). Die Bestattungen
konzentrierten sich nach dem momentanen Forschungsstand im Bereich der
Grabenköpfe und der Einbauten; der Erdwerksinnenraum ist fast bestattungsfrei.
Auch das urnenfelder- und früheisenzeitliche Gräberfeld von Edertal-Bergheim,
Kr. Korbach, lag im Bereich eines neolithischen Erdwerks (Gensen 1990,
352-353), allerdings in seinem Innenraum. Vermutlich waren in der frühen
Eisenzeit obertägig noch Spuren der neolithischen Anlagen zu erkennen, sei es
durch Geländestrukturen oder Bewuchsmerkmale; möglicherweise wußte man auch
noch um die Existenz dieser „magischen Orte".
Literatur
Gensen, Rolf:
Edertal-Bergheim. In: Fritz-Rudolf Herrmann / Albrecht Jockenhövel (Hrsg.),
Die Vorgeschichte Hessens (Stuttgart 1990), 352-353.
Simon, Klaus:
Horizontalstratigraphische Beobachtungen auf früheisenzeitlichen
Gräberfeldern der Thüringischen Kultur zwischen Ilm und Finne. Alt-Thüringen
16, 1979, 26-87.
Simon, Klaus:
Früheisenzeitliche Hügelgräber an der unteren Unstrut. Alt-Thüringen 18,
1983, 111-125
Weber, Gesine:
Metallzeitliche Aktivitäten im Untersuchungsgebiet. In:
Dirk Raetzel-Fabian: Calden: Erdwerk und Bestattungsplätze des
Jungneolithikums. Architektur - Ritual - Chronologie.
Universitätsforschungen zur prähistorischen Archäologie 70. Bonn 2000,
271-282.
© Gesine Weber 1999
Gesine Weber M.A.
In der Witz 17
D-65719 Hofheim/Taunus
zelltec@aol.com
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